Absolventen- und Abschlußkonzert

Erzgebirgische Philharmonie Aue beendet Konzertspielzeit in der Dresdner Musikhochschule

Seit zehn Jahren schon gibt es diese Partnerschaft: Die Erzgebirgische Philharmonie Aue gehört zu jenen Orchestern, die eng mit der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden zusammenarbeiten. Als Solisten und Dirigenten bekommen Studentinnen und Studenten jeweils die Möglichkeit, sich in der Praxis zu erproben. Das besondere an dieser Kooperation: nicht als Extra, sondern als Teil des Konzertanrechtes gehören die Auftritte zum Musikalltag (10. Sinfoniekonzert), sind noch stärker integriert. Dem Konzerttermin in Dresden gehen jeweils die Aufführungen in Aue und Annaberg voraus.

Am Mittwoch standen im Konzertsaal der Musikhochschule drei gewichtige Werke auf dem Programm, in denen die Bläser jeweils prominent hervortreten konnten. Zunächst gab es einen Solisten: Jacob Meining (Klasse Matthias Wollong) spielte das Violinkonzert von Ludwig van Beethoven. Jacob Meining hatte etwas besonderes »im Gepäck«: die Kadenzen zum Konzert stammten von Alfred Schnittke. Schnittke bleibt nicht klassisch oder imitier, er bricht sozusagen aus, entfernt sich von Beethovens Klangwelt, nimmt aber Bezug auf Themen wie das Eingangsmotiv, das er als Schicksalspochen einfließen läßt (das sogar durch Pauken und später Orchesterstreicher unterstrichen wird). Schnittke hat den Klang der großen romantischen Violinkonzerte (auch Brahms) in seinen Kadenzen eingefangen, sie aber dort als fremdartiges Element »verbaut« und schafft somit einen Spiegel-im-Spiegel-Effekt (das Fremde [Beethoven] im Fremden [Schnittke]).

In dieser Kombination paßte das hier so gut wie wohl kaum an einem Ort: ein schon in jungen Jahren versierter Violinist, ein aufgeschlossenes Orchester und ein ebensolches Publikum. Anderenortes wurden solche Kadenzen schon als Mittel der Provokation benutzt, aber darum geht es weniger – sie haben einen musikalischen Sinn und verankern das Werk stärker in unserer Zeit. Seine exzellente Qualität konnte Jacob Meining schon mehrfach unter Beweis stellen, er verfügt aber ebenso über den notwendigen Sinn für die Gestaltung. Dirigent Andrea Barizza (alle Dirigenten an diesem Abend kamen aus der Klasse von Steffen Leißner) verstand es wiederum, dem Orchester nicht nur Farben zu entlocken, sondern auch mit Tempoänderungen und Betonungen zu beleben.

Schon bei Beethoven waren die Bläser der Erzgebirgischen Philharmonie hier und da besonders hervorgetreten, in den folgenden beiden Stücken sollten sie dazu noch mehr Gelegenheit bekommen. Dirk Wucherpfennig, selbst Schlagzeuger im Konzerthausorchester Berlin, übernahm für Ferruccio Busonis Orchestersuite »Turandot« den Stab nach der Pause. Ursprünglich eine chinesische Fabel Carlo Gozzis, hat Busoni für das Theaterstück Zwischenmusiken geschrieben, welche Szenenwechsel unterstreichen. Und auch wenn die Szenen oder Titel wie »Die Hinrichtung, das Stadttor und der Abschied« ein wenig an die »Bilder einer Ausstellung« erinnern mögen, ist der Kontext hier doch ein anderer. Illustrative Elemente hat die Musik dennoch, vor allem orientalische Melodien. Am sinnbildlichsten geriet vielleicht »Das Frauengemach«. Dirk Wucherpfennig setzte das eher exotische als moderne Stück mit viel Bläser- und Schlagzeugeffekten in Szene.

Leuchten und Strahlen durfte es abschließend noch einmal mit Peter Tschaikowskis »Capriccio Italien«. Dirigent Iurii Kravets, dämpfte hier und da den Klang etwas, differenzierte die Instrumentalgruppen, und ließ die Bläser frohlocken. Im Verhältnis waren die Schlagwerke allerdings etwas laut.

15. Juni 2017, Wolfram Quellmalz

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