Sommerlicher Saisonausklang

Meisterwerke – Meisterinterpreten schließen Spielzeit traditionell in der Pillnitzer Weinbergkirche ab

Zuverlässig wie offenbar in jedem Jahr glänzte auch diesmal der Saisonschluß der Meisterwerke – Meisterinterpreten in der Pillnitzer Weinbergkirche im sommerlichen Sonnenschein. (Ich habe vielleicht nicht alle Konzerte der vergangenen Jahre miterlebt, kann mich aber an keines erinnern, daß unter bedecktem oder bewölkten Himmel oder gar bei Regen stattgefunden hätte. Man fragt sich, was passieren würde, fände das Konzert zum Beispiel Anfang April statt.)

Am Sonntag versammelten sich noch einmal das Eden-Quartett mit den Organisten Rainer Fritzsch und dem Kontrabassisten Petr Popelka zu einem Programm »Im Dialog«. Orgel und Kammermusik für Streicher standen sich nicht nur gegenüber, sondern nah beieinander. Böhmen, sollte sich zeigen, war ein besonderer Schwerpunkt des Nachmittags.

Mit Wolfgang Amadeus Mozarts Divertimento D-Dur (KV 136) begann das Konzert in auch musikalisch besonders warmen, sommerdurchglühten Farben. Mit reicher Mittellage spielte das Quintett (Anette Thiem und Ulrike Scobel – Violinen, Cornelia Schumann – Viola, Andreas Priebst – Violoncello und Petr Popelka – Kontrabaß) das Andante, ließ das Presto beschwingt, schon fast swingend durch die Kirche fluten (hätte Mozart, wäre er älter geworden, den Tango schon viel früher erfunden?). Man kann Mozarts »1. Salzburger Sinfonie« (so eine geläufige Bezeichnung) auch ohne Kontrabaß spielen, doch gerade er bietet eine besondere Bereicherung, verleiht eine angenehme »Schwere«, und: Antonin Dvořák hätte es so vermutlich gefallen. Er schrieb zwei Streichquintette – eines in »deutscher« Besetzung (also mit zwei Violen, Opus 97) und eines mit Kontrabaß (Opus 77).

Dvořáks »Amerikanisches« Quartett ist voller Wärme und innerer Bezüge der Themen. Im Lento entwickelte das Eden-Quartett ein großes inneres Feuer und ließ den Duktus von Schuberts Andante aus dessen Quintett C-Dur durchschimmern.

Nach dem Quintett und dem Quartett erklang die Jehmlich-Orgel der Weinbergkirche, zunächst solistisch. Johann Sebastian Bachs Fantasie d-Moll nach Sätzen der Violinsonate BWV 1001 (Bearbeitung Otfried Büsing) und Fuge d-Moll stellten das Originalwerk in einen vollkommen neuen Kontext, doch kennte man das Original nicht, würde man die Orgelfassung dafür halten – ebenfalls »sonnig« und vielgliedrig.

Dagegen schien Jan Krtitel Kuchařs Phantasie g-Moll für Orgel deutlich strukturierter. Zu Beginn scheinbar gezwungener, wurde sie motivisch schließlich freier.

Schließlich fanden Streicher und Orgel in Franz Xaver Brixis Konzert für Orgel solo, zwei Violinen und Baß D-Dur zusammen. Brixi, wie Kuchařs einer der weniger bekannten Komponisten, hat in der Tradition Händels und Carl Philipp Emanuel Bachs ein Orgelkonzert geschrieben, das freundlich-feierlichen Charakter hat, aber auch abwechslungsvoll ist. Als Neuentdeckung und Farbtupfer ein wunderbarer Beitrag an diesem Tag!

»Weniger bekannt« kann man – zumindest hier in Dresden – von Petr Popelka gar nicht mehr sagen, denn Werke des Kontrabassisten der Sächsischen Staatskapelle stehen immer wieder auf dem Programm des Orchesters bzw. des Tonkünstlervereines. Zuletzt war in diesem Jahr seine »Kleine Suite für Flöte, Violoncello und Klavier« eine Bereicherung des siebenten Kammerabends. Zum Saisonschluß in der Weinbergkirche steuerte er noch ein für das Eden-Quartett geschriebene Konzertstück bei. Nach dem vorangehörten schien es neue musikalische Landschaften zu zeichnen, kehrte aber zu seligen alten Weisen zurück – mit verzerrten Tönen und Flageoletts ein wenig mit reizvoller »antiker« Patina versehen.

19. Juni 2017, Wolfram Quellmalz

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