Emotionaler Austausch

Universitätsorchester empfing jungen polnischen Cellisten

Von der kontinuierlichen Arbeit des TU-Sinfonieorchesters mit seinem Leiter Filip Paluchowski zeugen nicht nur die regelmäßig stattfindenden großen Konzerte an sich, sondern auch deren Programme. Hinwendung zu Neuem gehört ebenso dazu wie der Rückgriff auf bereits erarbeitetes. Im vergangenen Jahr hatte sich das Orchester zu einem Austausch nach Norwegen begeben und gemeinsam mit einem Orchester dort Sergej Rachmaninows »Die Toteninsel« einstudiert. Jetzt wurde das Werk noch einmal in Dresden aufgeführt.

Im Mittelpunkt stand Dmitri Schostakowitschs erstes Cellokonzert, in dem sich der Komponist mit der Tonfolge D-Es-C-H (als Schlüssel seiner Initialen) verewigt und eine dramatische Auseinandersetzung zwischen Solist und Orchester beschrieben hatte. Am Sonnabendabend in der Lukaskirche übernahm Krysztof Michalski das Violoncello. Der vierzehnjährige Schüler und Jungstudent ist schon mehrfach mit großen Orchestern aufgetreten und hat zuletzt in Dresden einen zweiten Preis beim Dotzauer-Wettbewerb gewonnen. Die Einladung Filip Paluchowskis galt also nicht einfach einem Landsmann, sondern einem bemerkenswerten jungen Nachwuchsmusiker.

Schostakowitschs Konzert ist ein permanenter Parcours des Solisten, dem nur im zweiten Satz kleine Verschnaufpausen bleiben – die Tuttigeiger hatten weit mehr Gelegenheiten, den Solisten zu beobachten als umgekehrt. Krysztof Michalski präsentierte sich in das Werk vertieft und beherrschte sein Instrument auch in expressiven und virtuosen Passagen »spielend«. Von Beginn entwickelte er einen tragfähigen, klaren Grundton, den er mühelos zu beleben wußte. Dem Werk brachte er dabei so viel Verständnis entgegen, daß er lange dessen Sanglichkeit bewahrte, um schließlich im letzten Satz mit seiner emotionalen Aufladung zuzulegen. Scheinbar mühelos bewältigte er das schwierige Konzert und fand noch Zeit für einen kurzen Seitenblick zum Dirigenten – Einverständnis auch da. Ganz in sich und der Musik blieb Krysztof Michalski in der Zugabe: Dem Prélude aus Johann Sebastian Bachs Cellosuite G-Dur (BWV 1007).

Filip Paluchowski führte mit kurzen Moderationen durch den Abend und mutmaßte augenzwinkernd nach der Pause, daß die Herausforderung von Werken wie Rachmaninows »Toteninsel« mit ihren Gefühlsumschwüngen innerhalb weniger Minuten bzw. Takte enorm seien und wahrscheinlich dafür verantwortlich wären, daß Künstler oft als ein wenig exzentrisch gelten – solche Emotionalität habe vermutlich »leichte Auswirkungen auf das Leben«. Die Gefühlswelt, die das Orchester dann entwickelte, war prächtig und keineswegs nur düster. Von ähnlicher Ausprägung war Peter Tschaikowskis Phantasie-Ouvertüre »Romeo und Julia«, mit der das Programm einen Abschluß fand.

Die drei Hauptwerke schienen manchen der Musiker aber nicht zu genügen. Die Blechbläser und zwei Schlagzeuger sorgten mit Fanfaren (»Slavleniya«), von Anatoli Ljadow und Alexander Glasunow geschrieben, für glanzvolle Einstimmungen und Überleitungen.

18. Juni 2017, Wolfram Quellmalz

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