Energetischer Schub

Novus String Quartet in der Frauenkirche

Während er Sommerferien sind in der Unterkirche der Frauenkirche regelmäßig Preisträger des ARD-Musikwettbewerbes in jeweils unterschiedlichen Kategorien zu erleben. Am Sonnabend schloß der diesjährige Reigen mit dem Auftritt des Novus String Quartet aus Korea.

Gegründet wurde das Quartett 2007, die vier jungen Musiker studierten gemeinsam in München und Lübeck und gewannen – neben anderen Preisen – 2014 den ersten Platz des Mozart Wettbewerbes Salzburg sowie den zweiten Preis beim ARD-Musikwettbewerb 2012. Seither erobern sie die Konzertpodien der Kammermusikwelt und haben die ersten CDs aufgenommen. Ihr Landsmann Isang Yun, hierzulande als der bedeutendste Komponist aus Korea wahrgenommen, widmen sie sich mit besonderer Liebe und Sorgfalt, wovon sich auch das Publikum in der Unterkirche der Frauenkirche überzeugen konnte.

Zunächst wandten sich Jaeyoung Kim und Young-Uk Kim (Violinen), Seungwon Lee (Viola) und Woongwhee Moon (Violoncello) jedoch Joseph Haydns und dessen »Kaiserquartett« zu, und dies taten sie äußerst beherzt. Während die Einzelstimmen eine angemessene – Haydn’sche – Gediegenheit verrieten, schien die Interpretation zwar mitreißend, aber auch üppig und ließ es an Feinsinn und Gewandtheit missen.

Isang Yun hatte sein erstes Streichquartett von 1955 selbst kritisch betrachtet und später sogar zurückgezogen. Vielleicht, weil er seien persönlichen Stil hier noch nicht gefunden hatte. Gleichwohl hatte sich der Koreaner schon hier vielen Einflüssen geöffnet, impressionistische Klänge ebenso verarbeitet wie er Melodien Brahms’sche Gemütlichkeit mitgab. Die Sätze sind von einem stetigen Wandel in Melodiösität und Rhythmik geprägt, selbst das vermeintlich Monogramm des Beginns wird sofort variiert. Anders als in der europäischen Musiktradition, welche die Ecksätze betont und in der Regel mit dem ersten das »musikalische Material« festlegt, ist Yuns Quartett jedoch um den zweiten Satz herum aufgebaut, ein Andante phantastique. Das Novus String Quartet legte in den beiden Allegro-Sätzen eine große innere Spannung offen, ohne die Verve zu übertreiben, und verzauberte die Zuhörer mit der Traumverlorenheit dieses zweiten Satzes. Auffällig war, wie die führende Singstimme immer wieder zwischen den Partnern wechselte, wobei dem Quartett nie der harmonische Zusammenhang verlorenging.

Einen weiteren energetischen Schub gab es nach der Pause bei Peter Tschaikowskys erstem Streichquartett – und dieses vertrug das Zupacken deutlich besser als Haydn. Der romantisch-schwärmerische Gestus paßt nicht nur zu Tschaikowskys Komposition, er wohnt ihr schlicht inne. Gleichwohl galt es auch hier, ein »Überschäumen« zu vermeiden, die feinen Schwebungen des Beginns herauszustreichen.

Mit der Bearbeitung eines koreanischen Volksliedes »Arirang« bedankte sich das Novus String Quartet bei seinem Publikum.

6. August 2017, Wolfram Quellmalz

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