Schon wieder vorbei!

Abschlußkonzert des Moritzburg Festivals

Es war wie in jedem Jahr: da war man eben noch bei der ersten Probe gewesen, hatte an der Wahl des Akademie-Preises mitgewirkt, und schon ist es wieder vorbei. Zwei Wochen, scheint es, sind viel zu kurz! (Und doch liegt gerade der Reiz auch in dieser Konzentration, ein XXL-Moritzburg-Festival von vier Wochen wollte man nicht.)

Zur sonntäglichen Matinée gab es noch einmal große Auftritte: gleich zwei der Stücke fanden mit umfangreichster Kammerbesetzung statt. Etwas Wehmut verbreitete Gustav Mahlers Adagietto aus der 5. Sinfonie. Mit Alexander Sitkovetsky, Annabelle Meare, Kai Vogler und Ning Feng waren hier gleich vier Violinisten dabei, außerdem Ruth Kilius und Hwayoon Lee (Violen), Christian-Pierre La Marca und Jan Vogler (Violoncelli) sowie Dominic Seldis (Kontrabaß) und Astrid von Brück (Harfe). Sie ließen Mahlers gefühliges Werk durch die – wie immer – sonnendurchflutete Kirche schweben, ein unvergleichlicher Gleichklang!

Weitaus fröhlicher und noch reizvoller folgte nach dieser Einleitung Wolfgang Amadeus Mozarts Quintett für Klavier und Bläser. Hier verbinden sich »ernsthafte« Stimmentwicklung und -durchsetzung mit der Leichtigkeit der Harmoniemusik. Schon in den ersten Takten vergoldeten Oboe (Céline Moinet) und Horn (Felix Klieser) die Musik, woraufhin es ihnen Wenzel Fuchs (Klarinette) und David Seidel (Fagott) gleichtaten. Mit silbrigen Perlen trug Lise de la Salle bei – es ist erstaunlich, wieviel Sensibilität die Pianistin in den letzten Jahren dazugewonnen hat, so ist die Umstellung auf einen jeweils anderen Flügel für sie offenbar kein Problem.

Während im Allegro des ersten Satzes vor allem die Eloquenz der Bläser beeindruckte, rückten die vier Stimmen im Larghetto noch einmal dichter zusammen. Doch aus der Dichte folgte keine Gedrängtheit, sondern eine umwerfende Eleganz des Klangs – grandios! Standesgemäß ging es mit dem Rondeau. Allegretto in Richtung Pause.

Und spätestens jetzt war ein wenig Wehmut angesagt, ohne die man Mendelssohns Opus 20 wohl (zumindest hier) nicht hören kann. Denn es ist so unweigerlich wie traditionell das Schlußstück des Festivals. In der Besetzung Feng, Meare, Kai Vogler, Sitkovetsky, Lawrence Power (Viola), Lee, Jan Vogler sowie La Marca ließen die Musiker des Moritzburg Festivals Mendelssohns Elfen frei. Vielleicht am schönsten gelang diesmal das federleichte Scherzo – mit der Wiederholung des Prestos beschworen die fünf schon einmal den nächsten Sommer.

Das Moritzburg Festival begrüßt seine Gäste wieder vom 11. bis 26. August 2018. Die Zwischenzeit wird mit den Meisterkonzerten auf Schloß Albrechtsberg verkürzt.

20. August 2017, Wolfram Quellmalz

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