Gäste in der Semperoper

Gustav Mahler Jugendorchester spielte Olivier Messiaen

Wie in jedem Jahr gastierte das Gustav Mahler Jugendorchester zum Beginn der neuen Spielzeit in der Sächsischen Staatsoper. Der von Claudio Abbado ins Leben gerufene Klangkörper kommt stets mit prominenter Unterstützung, seien es Dirigenten wie Christoph Eschenbach oder Philippe Jordan oder Solisten. Tzimon Bartho und Christian Gerhaher waren in den vergangenen Jahren hier, auch Jean-Yves Thibaudet Klavier ist bereits mit dem Orchester in Dresden gewesen. In diesem Jahr kam er wieder, an seiner Seite Valérie Hartmann-Claverie, die in Olivier Messiaens Turangalîla-Symphonie eine Ondes Martenot spielte, ein elektronisches Instrument, das »musikalische Wellen« durch einen »Schwebungssummer« erzeugt. Mit anderen Worten: sphärische Klänge, Weltraummusik.

»Keine Angst vor neuen Tönen« ist ein Credo des Dirigenten Ingo Metzmacher, das er nicht nur theoretisch in Büchern aufgriff, sondern auch emphatisch in Konzertreihen verfolgte. Der Musik des zwanzigsten Jahrhunderts steht er offen gegenüber und vermittelt diese – es ist ihm ganz offenbar ein Bedürfnis. Olivier Messiaen paßt in seinen Kosmos und den des Orchesters, das unter anderem das Konzert 2014 mit »Les offerandes oubliées« eröffnet hatte.

Die Turangalîla-Symphonie ist ein zehnteiliges Werk, eine Sinfonie oder Suite, die auf berückende Weise traditionelle, moderne und elektronische Klänge mischt. Messiaen ist eine Synthese gelungen, die vom Geist inspiriert scheint, nicht »kopflastig« konstruiert ist und nicht in Gegensätzen verharrt. Als Sinfonie-Suite-Werk eben kein Konzert, mischen sich die beiden Solisten mit den Orchesterklängen – Messiaen schafft ständig andere Gruppierungen, formt um, kreiert neu. Jean-Yves Thibaudet folgte dem Dirigat mit Hingabe und begeisterte mit einem Klang, den man geradezu als »chic« bezeichnen kann. Voller Nuancierung legt er Farben offen, als sei Messiaens Werk das eines Impressionisten. Obwohl die Rolle Valérie Hartmann-Claverie spürbar – hörbar – anders und kleiner ausfiel, war sie dank Messiaens‘ schöpferischem Geist nicht zurückgesetzt oder nur ein exotisches Beiwerk.

In der »Synthese« verschmolzen diese Soli mit denen des Orchesters – allesamt hochbegabte Musikstudenten aus der ganzen Welt. Bläser und Schlagwerker eröffneten immer wiederberückende Momente. Gleich der Beginn markiert das innige Verschmelzen von Pianist und Orchester mit funkensprühende Glissandi, die vom Dirigenten jedoch gebündelt wurden, so daß sie nicht wirkungslos in Rau(s)ch aufgingen. Ingo Metzmacher ist es gelungen, die Sätze, die vielen Musiker zu »bündeln« und die Spannung zu halten – fast eineinhalb Stunden lang! Mit sichtbarer Freude am Pult entfachte er ein ungewöhnliches Feuerwerk – eine Freude, die vom Orchester aufgenommen und zurückgegeben wurde.

Wogend, rhythmisch-harmonisch flutete die Sinfonie durch das Opernhaus – die Begeisterung des Applauses war so ehrlich wie berechtigt.

3. September 2017, Wolfram Quellmalz

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