Zu Bruckners Geburtstag

Zweites Palastkonzert mit der Berliner Staatskapelle

Daniel Barenboim führte nur einen Tag nach der Eröffnung den Reigen der Dresdner »Palastkonzerte« weiter. In seinem Programm: Mozart und Bruckner.

Es ist eines der beliebtesten und bekanntesten Klavierkonzerte Wolfgang Amadeus Mozarts, jenes in A-Dur mit der Bezeichnung KV 488. Siebzehnhundertsechsundachtzig vollendet, zeichnet es sich einerseits durch ausgeprägte Stimmungslagen und Tonartwechsel aus, jedoch auch durch den Einsatz der Holzbläser. Klarinetten hatte Mozart schon während seiner Italienreisen, vor allem aber durch die Mannheimer Hofkapelle liebengelernt (»ach wenn wir nur clarinetti hätten« schrieb er 1778 von dort an seinen Vater). Später (um 1881) lernte er einen erstklassigen Klarinettisten und Bassetthornspieler kennen: Anton Stadler wurde sein Freund, für ihn schrieb Mozart unter anderem zwei seiner berühmtesten Werke: das Klarinettenquintett KV 581 und das Klarinettenkonzert KV 622. Man stelle sich nur vor, Mozart hätte einen Flötenvirtuosen kennengelernt – die ewig (falsch) wiederholte Mär vom Mozart, der die Flöte haßt, wäre uns erspart geblieben…

Do wie auch immer – Holzbläser hat Mozart seit jeher geschätzt, sie in Opern und Konzerten eingesetzt, lange vor den Solowerken, so im Klavierkonzert KV 488. Im Spiel der Staatskapelle Berlin schienen die Bläser immer wieder auf, allen voran die Flöte, doch auch und gerade die Singstimme des Fagotts hob sich immer wieder aufs angenehmste hervor. Über einem Streicherteppich schwebten die Bläser – ein sagenhafter Wohlklang. Daniel Barenboim ist nicht nur Dirigent, sondern Pianist und hatte sich in der ersten Konzerthälfte – was er häufig macht – ans Klavier gesetzt. Der Flügel stand, inmitten der Konzertsaalterrassen, mit der Klaviatur ins Saalzentrum gerichtet und ohne Deckel, damit der Klang frei in den Saal strömen konnte, ohne eine Seite zu bevorzugen. Dies funktioniert jedoch nicht ganz. Zwar ist die Aufstellung »demokratischer«, dämpfte aber den Klavierklang und nahm seinen Glanz. Etwas matt klang der Steinway, weniger differenziert.

Mozarts Gesangslinien zeichnete Daniel Barenboim fein nach, malte vor allem das Adagio genüßlich aus, bevor er im Allegro assai schließlich zupackend (und teilweise mit dem Fuß stampfend) das Finale gestaltet. Seine Kapelle folgt ihm in der temperamentvollen Aufladung.

Mit Bruckners so gewichtiger wie dennoch unvollendeter Sinfonie Nr. 9 gab es erneut einen Höhepunkt im Kulturpalast zu erleben. Bedachtsam und mit ausgedehnten Pausen zwischen den Sätzen und Takten errichtete Daniel Barenboim ein Bruckner-Denkmal an dessen 193. Geburtstag. Weniger eine Klangsinnlichkeit als rhythmisch geprägte Strukturen offenbarte der Dirigent dem staunenden Publikum, das mehr und mehr in Verzückung geriet. Schon die Majestätik des ersten Satzes trieb er kunstvoll auf die Spitze, legte die innere Spannung des Werkes offen. Immer wieder steigerte er diese, und sei es durch die gezupfte Abwärtsfigur der Streicher im ersten Satz – da schienen Atempausen für alle Beteiligten vonnöten.

Beinahe gewaltsam entfaltete sich das gewaltige Werk, wurde aber immer wieder gebändigt und setzte Gegenwelten zu den Klangmassen, wie in einem bedächtig-heiteren Trio des Scherzos. Nach den Holzbläsern bei Mozart waren es nun die Blechbläser, die auftrumpfen durften, allen voran die Hörner mit goldenem Klang – entfesselte Musik!

5. September 2017, Wolfram Quellmalz

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