Feierliches Adventskonzert

Staatskapelle in der Frauenkirche

Es war bereits das fünfzehnte Adventskonzert der Sächsischen Staatskapelle in der Frauenkirche. Zu feiern gab es neben der Vertragsverlängerung des Chefdirigenten auch das 200. Jubiläum des Opernchores. Auf einen zweiten Chor wie sonst verzichtete der Veranstalter diesmal, auch die Orgel der Frauenkirche schwieg. Dafür hatte man bei den Solisten für ein Mehr gesorgt: neben den Gästen Diana Damrau und Benjamin Appl war mit Tuuli Takala von Ensemble der Staatsoper (eifrigen Opernbesuchern aus verschiedenen Mozartproduktionen oder Waldvogel in »Siegfried« bekannt) eine zweite Sopranistin vertreten. Später übernahmen noch Hyunduk Na und Frank Blümel vom Opernchor Soli in Haydns »Schöpfung«.

Christian Thielemann konnte mit seinem Orchester von Beginn eine festliche Atmosphäre entfachen. Vielleicht trägt die neue Gelassenheit dazu bei, gerade in flotten Passagen das angenehme Blinken des Orchesterglanzes zu verstärken? Die Overtüre aus Bachs Orchestersuite D-Dur jedenfalls blinkte sehr schön, ebenso wie die Arie »Jauchzet Gott in allen Landen« der gleichnamigen Kantate. Helmut Fuchs, vor zwei Tagen noch virtuos beim Aufführungsabend zu erleben, legte hier gleich noch einmal nach. Man mochte gar nicht sagen, ob Diana Damrau oder er brillanter waren. Der Sopranistin gehörte insofern der Vorzug, daß sie den natürlichen Atem direkter und beseelter entfalten konnte.

Eigentlich hätte man sich bei den Eingangsstücken gewünscht, weil sie nicht nur in Auszüge gespielt würden, aber das geht beim Adventskonzert wohl nicht. Dabei war der Rahmen in diesem Jahr besonders großzügig und kürzte das Konzert nicht vorab rigide für die Fernsehübertragung am Sonntag zurecht. Die Konzertbesucher bekamen so Felix Mendelssohns Weihnachtskantate »Vom Himmel hoch« ohne Streichungen zu hören. Auch deshalb lohnte der Besuch: neben bereits etablierten internationalen Gästen wie der gerade von einer Asientournée zurückgekehrten Diana Damrau kommen jeweils Solisten, die eben auf dem Sprung zu einer großen Karriere sind, zum Adventskonzert in die Frauenkirche – Benjamin Appl gehört in diese Kategorie. Der ausgewiesene Liedsänger konnte bei Mendelssohn spielend eine Raumwirkung erreichen, blieb hervorragend verständlich, dabei hat seine Stimme etwas Ohrenschmeichlerisches. Tuuli Takala stand ihm da nicht nach und betörte das Publikum noch im Gloria aus Carl Maria von Webers »Freischütz-Messe«. Doch vor allem beeindruckte der Chor mit seiner Klangfarbe.

Was bei Bach schon angeklungen war, nämlich die romantische Prägung des Orchesters, entfaltete sich nun vollkommen. Immer wieder sorgte Christian Thielemann für feierliche Glanzpunkte. Nicht nur Helmut Fuchs (Allegro aus Haydns Trompetenkonzert Es-Dur), sondern auch mit Oboe oder Fagott, das Mozart so wunderbar als melancholische Zweitstimme gesetzt hat.

Mit »Macht hoch die Tür«, erstmalig zum Mitsingen fürs Publikum gedacht, klang das Konzert schließlich aus.

3. Dezember 2017, Wolfram Quellmalz

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