Telemann, der Vielseitige

Professoren im Konzert an der Dresdner Musikhochschule

Selbst wenn es scheint, er stünde heute nur an dritter Stelle hinter Händel und Bach – man feiert ihn doch: Georg Philipp Telemann. Nach und nach gibt es – hochinteressante! – Neueinspielungen, der Reigen der Gedenk- und Festkonzerte ist noch nicht geschlossen. Zu seinem 250. Todestag fand am Dienstagabend in der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden eine Veranstaltung der Reihe »Professoren im Konzert« statt. Initiiert hatte dies Stéphane Réty, der als Flötist Telemann vielleicht besonders nahesteht. Und obwohl eigentlich Querflötist (und unter anderem Soloflötist beim Sinfonieorchester Basel), wechselt er gerne einmal zur Traversflöte aus Holz, wie sie zu Telemanns Zeit erklungen ist, und ermutigt auch seine Studenten, ihr Spektrum dahingehend zu erweitern.

Gleich drei von ihnen (Ruth Peireira Medina, Christian Guerrero und Héctor Rodriguez) entführten das Publikum im Konzertsaal der Musikhochschule in Telemanns phantasievolle Welt und spielten von den Rängen aus.

Telemann – so konnte man zwischen den Stücken erfahren –  war kein Konstrukteur oder Regelhüter, und eine »Komposition« verbannte er ins Reich der Köche. Wichtig sei dagegen das Singen als Fundament der Musik, und daß man mit seiner Musik, das heißt durch die Aufführung derselben, seine Zuhörer anrühre. Phantasie sei vonnöten und Achtsamkeit für das Werk auch beim Publikum, zur »Unterhaltung« mochte Telemann nicht musizieren. Und dabei kann man sich – abseits aller Tändelei – durchaus um Mode und Geschmack bemühen. All dies erfuhr man – nebst kleiner Seitenhiebe auf Bach und Händel – höchst gewitzt vorgetragen, ja, szenisch deklamiert, von Elisabeth Holmer und Michael Heinemann, welche in die Rollen der »öffentlichen Meinung« (Holmer) und Telemanns selbst (Heinemann) schlüpften. Von der Opernsängerin Holmer durfte man die Bühnenpräsenz sicher erwarten, der Musikwissenschaftler Heinemann hat hier – mit sichtlicher Freude – bewiesen, daß seinesgleichen nicht (immer) mißvergnügte, gescheiterte Musiker sind, die sich in theoretischer Erbsenzählerei verlieren (das trifft vermutlich nur auf Kritiker zu).

Doch die Hauptsache galt der Musik, der Musik Telemanns, die mit Methodischen Sonaten, in Konzerten und Quartetten aufgeführt wurde. Elegant, fein, französisch klang dies mit Stéphane Réty und Andreas Hecker (Cembalo, Methodische Sonate C-Dur) und bewies einmal mehr, welch hervorragende kammermusikalische Qualität der Konzertsaal hat, der für solch intime Stücke ebenso geeignet ist wie für die etwas stärker leuchtenden Concerti. Singstimmen gab es mehrere zu erleben: neben der Flöte auch die Oboe (Céline Moinet), und sogar im Umgang mit den Streichern hatte Telemann sängerische Qualitäten. Anrühren wollte Telemann, also nicht den aufgesetzten Zierat in den Vordergrund stellen. Dies ist ihm gelungen, wie sein Konzert G-Dur (TWV 40:201) in der Bearbeitung für vier Violen (Franziska Schwarz, Hanna Midori Schumacher, Emilie Dupont und Miriam Solle) gerade im Adagio bewiesen.

Je nach Gegebenheit bzw. Charakter des Werkes wechselte Andreas Hecker zwischen einem kleineren (kammermusikalischen) und einem größeren (für die Konzerte) Cembalo. Feierlicher Schluß war die Triosonate c-Moll (TWV 42:C4) mit Stéphane Réty, Céline Moinet, Andreas Hecker und der neuen Cello-Professorin Marie-Elisabeth Hecker. Das Werk führte noch einmal Telemanns Einfallsreichtum und Vielseitigkeit vor, der keiner der drei Stimmen einen Vorzug gab und auch der Begleitung nicht die untergeordnete Rolle zuwies.

6. Dezember 2017, Wolfram Quellmalz

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