Beginn des Weihnachtskreises

Dresdner Motettenchor in der Dreikönigskirche

»A Ceremony of Carols« hatte Leiter Matthias Jung das Programm am Sonntagabend nach Benjamin Brittens gleichnamigem Chorwerk benannt. Es enthielt alte und neue Weisen ebenso wie bekannte Weihnachtslieder im Satz späterer Komponisten und umspannte so mehrere Jahrhunderte. Daß das Konzert trotzdem nicht wie »gewürfelt« schien, lag nicht zuletzt am bindenden Glied der Texte, welche dem Weihnachtskreis folgten.

Belebend wirkten die vielen Kontraste in Farben und Stimmungen, die das Programm enthielt. Eingeschlossen war es in zwei Werke Günther Raphaels, den zu entdecken es wieder einmal Gelegenheit gab. Mit »Bis willekommen Herre Christ« begann der Dresdner Motettenchor (»Ich steh an deiner Krippen hier« sollte es abschließen), der mit seiner Vielzahl von Sängern eine entsprechende Klangstärke entwickeln kann, homogen gemischt und eher dunkel schattiert. Matthias Jung stellte dem Klang des zwanzigsten Jahrhunderts mit William Byrd jenen des späten sechzehnten gegenüber, auf Raphaels Polyphonie folgte die fünfstimmige Mottete »Laetentur coeli« sowie das sechsstimmige Anthem »Sing joyfully«. Jetzt merklich durch Soprane und Tenöre aufgehellt, bewies der Motettenchor, daß er sich hier ganz heimisch fühlte, was noch beeindruckender in den von den Klippen wechselseitiger Texte durchsetzten Werken spürbar war, wenn etwa in »Das Volk das im Finstern wandelt« von Albert Becker (dem Großvater Günter Raphaels) Text und Choral gleichzeitig erklingen. Die Sängerinnen und Sänger zeigten hier keine Unsicherheit, blieben ausgewogen, nachvollziehbar und klar verständlich – wunderbar!

Nach der festlich leuchtenden Musik des Renaissancekomponisten Byrd durfte der mit Dresden eng verbundene Heinrich Schütz nicht fehlen. Die Erfahrung des dreißigjährigen Krieges haben in der 1648 veröffentlichten »Geistlichen Chor-Music« ihre Spuren hinterlassen. Die dem Advent zugeordneten »O lieber Herre Gott« (SWV 381) und »Tröstet mein Volk« (SWV 382) ließen vor allem die Hoffnung schimmern, der Glauben an eine Erfüllung gewann im abschließenden »Amen« aus SWV 381 deutlich an Zuversicht.

Im Mittelpunkt stand – nun der Weihnacht zugewendet – Benjamin Brittens »A Ceremony of Carols«, begleitet von einer Soloharfe (Aline Khouri). Britten hatte sich zum Teil auf sehr alte Texte bezogen (welche auch mittelenglisch gesungen wurden) und diese romantisch, pastoral und doch in moderner Tonsprache verarbeitet. Schon der einleitende Choral erfuhr durch die Harfenbegleitung eine »himmlische« Färbung (dazwischen erklang ein berührendes Nachtstück »Interlude« solo). Immer wieder konnten der Chor und die Sopransolistinnen (Grit Blüthgen, Emma Miesler und vor allem Sylvia Flath) mit wahrem Engelsgesang betören – auch in der Bearbeitung (ursprünglich für Knabenchor geschrieben) ging dieser Charakter nicht verloren.

Mit der Wiederholung des Chorals bei Britten löste der Chor seine Formation auf und sang nun, das Kirchenschiff einschließend, »Det är en ros utsprungen« (»Es ist ein Ros…«) in der Neufassung des Schweden Jan Sandström mit fünf Solisten und dem für eingängig schwebende Vocalisen sorgenden Chor.

Daß heute nicht nur viel Chormusik in Skandinavien entsteht, sondern auch gern gesungen und gehört wird, bewies Gustaf Nordqvists »Jul, jul, strålande jul« (»Weihnacht, strahlende Weihnacht«) als Zugabe.

11. Dezember 2017, Wolfram Quellmalz

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