Weihnachtsoratorium mit Studenten der Musikhochschule in der Dresdner Annenkirche

Kantaten I bis III mit drei verschiedenen Dirigenten

Seit dem 1. Advent (oder schon dem 1. Dezember) gibt es in Dresden viele Aufführungen des Weihnachtsoratoriums. Fast scheint es, man könnte sich den Termin nach dem persönlichen Kalender wählen, doch zählt neben dem Preis der Eintrittskarten wohl vor allem die Aufführung, der Ort, die Musiker und Solisten. Von barocker, historisch informierter Aufführung bis hin zum romantisch geprägten Oratorium reicht das Angebot, von »üblichen« Teilen (Kantaten I bis III) über andere Kombinationen bis hin zur Gesamtaufführung. Und schließlich ist Johann Sebastian Bach ja auch nicht der einzige, der ein Weihnachtsoratorium geschrieben hat.

Die Studenten der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden führten am Dienstag die Kantaten I bis III (Bach) in der Annenkirche auf – bei freiem Eintritt! »Kantaten Exklusiv« hieß das Konzert, sonst gibt es dreimal im Semester die Kantaten (meist zwei) für geringes Entgelt im Marcolini-Palais. Die Dirigenten (Friedrich Sacher, seit 2016 Kirchenmusiker in der Annen-Matthäus-Kirchgemeinde, Gerard Ramos Pardo und Justus Merkel) stammten aus der Dirigentenklasse, für Musiker und Choristen (verstärkt durch Dresdner Sängerinnen und Sänger) war es ein Projekt außerhalb des Lehrinhaltes.

Hans-Christoph Rademann, für die Gesamtleitung der Reihe verantwortlich, führte wie gewohnt kurz in das Programm. Einerseits sei es berechtigt zu hinterfragen, ob das »Parodieverfahren«, also die Wiederverwertung von kompositorischen Ideen, denn immer so glücklich gewesen sei. Immerhin: betrachtet man Text, Melodie und Instrumentation des Eingangschores »Jauchzet, frohlocket«, wird klar, daß diese besser zur ursprünglichen Kantate »Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten!« passen. Auf der anderen Seite wäre uns ohne den gesunden Pragmatismus des Komponisten die weltliche Kantate BWV 214 vermutlich heute unbekannt.

Bach hatte das Oratorium auch gar nicht als solches konzipiert, sondern als sechs eigenständige Kantaten. Insofern ist es also durchaus berechtigt, sie mit unterschiedlichen Dirigenten aufzuführen und eine persönliche Lesart zuzulassen, statt (wie sonst) auf einen einheitlichen Stil und Klang Wert zu legen.

Die Unterschiede waren spürbar, allein schon in der Wahl von Tempi und Betonungen. Schön, wie vor allem Friedrich Sacher (»Wie soll ich dich empfangen«) und Gerard Ramos Pardo (»Schaut hin«) sich in den Chorälen Zeit ließen. Die kammermusikalische Besetzung (je drei Violinen, moderne Streicher) beeindruckte durch feinen Klang im Gegensatz zu den romantischen Aufführungen. Immer wieder sorgte das Cembalo (Jan Arvid Prée) für Akzente, aber auch Flöten und Oboen waren im Gesamtklang leuchtend erkennbar. Die Solisten (Annina Battaglia / Sopran, Anna-Maria Tietze / Alt, Florian Neubauer / Tenor und Jussi Juola / Baß) waren zum Teil bereits aus den Kantaten-Aufführungen im Marcolini-Palais bekannt. Stellvertretend für die ausgezeichneten Solisten und Instrumentalisten sei hier nur erwähnt, wie beeindruckend melodisch Jussi Juola stets blieb und selbst die Höhen seines Registers mühelos bewältigte!

Friedrich Sacher ermunterte im Anschluß noch (mit großem, volltönenden Erfolg) die Gemeinde zum Mitsingen des Bach-Chorales »Vom Himmel hoch«.

13. Dezember 2017, Wolfram Quellmalz

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