Karnevalesk und mit vielen Singstimmen

Dresdner Philharmonie und Cellist Daniel Müller-Schott

Nicht nur der Papierform nach wich das Sinfoniekonzert der Dresdner Philharmonie am Donnerstag und Freitag im Kulturpalast vom üblichen Format (Ouvertüre – Konzert – Pause – Sinfonie) ab. Die Positionen der beiden Hauptwerke waren getauscht, dazu beide in einen Rahmen aus Einleitungsstück und nachgereichter Ouvertüre gefaßt. Auch wenn Karneval / Carnaval / Rheinisch einen thematischen Kontext gaben, erschloß sich dieser inhaltlich im Konzert nicht zwangsläufig, zumal Antonín Dvořáks Ouvertüre »Karneval« zuletzt erst im vergangenen Jahr erklungen war. Diesmal bildete sie das Gegenstück zu Robert Schumanns »Carnaval« (Original für Klavier), aus dem fünf Sätze in Bearbeitungen von Alexander Glasunow, Alexander Winkler und Wassily Kalafat gespielt wurden. So unterschiedlich die Stücke doch sind, enthalten beide ein munteres Figurenwerk unterschiedlicher Charaktere. Bearbeitung von Klavierwerken streichen oft enthaltene Stimmen überdeutlich heraus, indem sie sie in Form kleiner Soli, zum Beispiel an Holzbläser, übergeben. Mit reichlich Unterstützung von Blechbläsern und Schlagwerk geriet Schumanns Werk recht aufgeräumt, um nicht zu sagen übermäßig fröhlich-lärmig. Das Gestalten der figurativen Elemente gelang Michael Sanderling gleichwohl blendend.

Ein fröhlich-rheinisches Element ist auch in Schumanns dritter Sinfonie enthalten, weshalb sie den entsprechenden Beinamen erhielt. Im Duktus knüpfte sie durchaus an die eben verklungene Bearbeitung an, doch wandelt sie sich in den Sätzen erheblich. Nach dem emphatischen Beginn mit volltönigem Jubel prägten Bläser das Scherzo, den dritten Satz gestaltete Michael Sanderling ungemein lyrisch. Je leiser das Orchester wurde, desto mehr schien seine Leuchtkraft zuzunehmen, nicht zuletzt, weil sich der Chefdirigent die Zeit nahm, Phrasen auszuformulieren. Lebhaft geht Schumanns Sinfonie zu Ende, noch einmal Gelegenheit für die Blechbläser, mit goldenem Klang hervorzutreten.

Der Solist, Daniel Müller-Schott, trat diesmal erst nach der Pause auf, noch einmal gab es Schumann. Das Cellokonzert war ein wunderbares Beispiel dafür, wie Michael Sanderling und sein Orchester einen Solisten zu umfangen vermögen, besonders im zweiten Abschnitt (langsam), als Daniel Müller-Schott mit dem Solocellisten des Orchesters (Ulf Prelle) als Tandem verschmolz. Müller-Schotts feine Diktion, sein ungeheuer sanglicher Ton, stellte das Liedhafte in Schumanns Komposition besonders heraus. Mit kleinsten Rubati und feiner Phrasierung polierte er das Werk, fand aber auch die nötigen Kontraste. Diese betont Schumann in seinem Finale noch, das »sehr lebhaft« zu spielen ist, außer mit Schwung und purer Lust aber auch mit grüblerischer Cellokadenz aufwartet.

Nach dem romantischen Liedgesang Schumanns gab es noch volkstümliche Klänge zu hören. Mit der »Habanera« Maurice Ravels (nach einem kubanischen Tanz) bedankte sich Daniel Müller-Schott beim Publikum.

8. Dezember 2017, Wolfram Quellmalz

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