Messevertonungen von Strawinsky und Mozart

Chorus 116 und die Elblandphilharmonie gastierten in Pirna

Geistliche und weltliche Werke von der Renaissance bis heute gehören zum Repertoire des Chorus 116. Anlaß (Gottesdienst bzw. Messe oder Konzert) und Ausführung gaben schon zu den Zeiten, da Kompositionen entstanden, Gelegenheit zur Diskussion, wie zeitgenössische Berichte belegen. Kirchenwerke, die zu »opernhaft« sind, werden dort ebenso vermerkt (beklagt) wie eine romantisch-emotionale Hervorhebung von Stimmen gelobt. Das Konzert mit der Elblandphilharmonie am Sonnabend in der Marienkirche Pirna gab Gelegenheit, solche Gegensätze einmal zu vergleichen.

Wolfgang Amadé Mozart und Igor Strawinsky standen sich im Programm mit Messevertonungen gegenüber, welches durch ein vertontes Glaubensbekenntnis Strawinskys und ein Violinkonzert Mozarts ergänzt wurde.

Der Chorus 116 (Leitung: Milko Kersten) begann mit der Messe in C für Chor und Bläser von Igor Strawinsky. Schon im Kyrie, sonst oft als ausdrückliche Anrufung und Hinwendung komponiert, wurde der grundsätzlich eher deklamatorische Charakter des Werkes klar. Vieles ist hier Feststellung – ein vom Chor vorgetragener liturgischer Text. Eine kühle, teilweise (in diesem Zusammenhang) fremd scheinende Homophonie, welche der Chor aber mit großer Leichtigkeit und Klarheit gestaltete. Einen grundsätzlich (zu) nüchternen Duktus bedeutete dies nicht, denn Strawinsky hat dem nur aus Bläsern bestehenden Orchester eine nahezu vokale, sängerische Funktion überantwortet, und so ergab sich gerade im Sanctus eine besonders lichte Darstellung im Verbund von Solisten, Chor und Orchester.

Mit Maria Perlt (Sopran), Annekatrin Laabs (Alt), Patrick Grahl (Tenor) und Georg Finger (Baß) stand ein ausgewogenes Quartett zur Verfügung, wobei Sopran und Tenor (auch später bei Mozart) zwar naturgemäß die tieferen Stimmen überstrahlen konnten, sie aber nicht dominierten. Gerade Alt und Baß waren häufig nicht nur eine beruhigende Basis, sondern sorgten für harmonisch verbindlichen Einklang.

Auch im Chor durften die tiefen Stimmen deutlich hervortreten, spätestens in Strawinskys kurzem »Simvol veri« (Credo). Das a-capella-Stück verströmte einen unverkennbar slawischen Melos und blieb trotz leichter Verschiebungen der Anteile zwischen den Stimmen ausgeglichen.

Für die abschließende Krönungsmesse (KV 317) mit ihrem reichhaltigen, prachtvollen Klang schlüpfte der Chor dann noch einmal in eine neue Charakterrolle. Hier fiel besonders das in seinem Verlauf reich gestaltete Credo auf sowie das von Maria Perlt und kleinem Orchester begonnene Agnus dei, welches mit der Zuversicht aller Stimmen das Konzert abschloß.

Für Mozart waren die Streicher natürlich zum Orchester gekommen. Wie das Violinkonzert G-Dur (KV 216) ins Programm gefunden hatte, mochte manchen vielleicht zunächst verwundern, doch zeigte sich bald (s)eine besondere gesangliche Qualität. Dieser spürte auch Solist Florian Mayer nach, der in seinen ausgedehnten und etwas eigenwilligen Kadenzen nicht nur improvisierte, sondern der sphärisch-vokalen Violinstimme noch wirklich gesungene Vokalisen hinzufügte.

Milko Kersten sorgte für einen angemessenen Ausgleich zwischen Chor und Solisten in den Stücken und hatte die im Konzert anfangs noch etwas lauten Bläser schnell korrigiert, so daß sich insgesamt eine glückliche Symbiose der Partner ergab. Der Chor blieb dabei im Mittelpunkt des musikalischen Interesses.

6. Mai 2018, Wolfram Quellmalz

Schreiben Sie einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Verbinde mit %s