Abschluß der Reihe »Meisterkonzerte«

Mira Wang und Scott St. John mit gleich vier Fundstücken

Nach Streichtrios, Klavier- und Streichquartetten und trotz solcher Kombinationen wie Violoncello und Harfe in der Saison bisher versprach das letzte Meisterkonzert auf Schloß Albrechtsberg am Dienstag schon in seiner Besetzung besonderes: Duos für Violine. Dabei ging es weniger um Chronologie oder Epochen, sondern um Pretiosen, welche nicht selten für den eigenen Gebrauch der Komponisten geschrieben waren.

So wie Jean-Marie Leclair, der selbst ein Meister auf der Violine gewesen ist. Neben Violin- und Triosonaten und Konzerten für drei (!) Violinen schrieb er unter anderem zwei Zyklen mit Sonaten für zwei Violinen ohne Baßbegleitung. Jene in e-Moll, Nr. 5 aus dem zuerst erschienenen Opus 3, entsponn mit Mira Wang und Scott St. John ein lebhaftes Zwiegespräch zweier eng einander folgenden Stimmen. Schon hier zeigten sich beide Künstler von einer energiereichen, virtuosen Seite – diese sollten sie gleich noch mehrfach herausputzen.

Zum Beispiel in der folgenden Sonate von Eugène Ysaÿe. Vor allem dessen sechs berühmten Geigerkollegen gewidmeten Solosonaten sind Violinliebhabern bekannt, doch hat Ysaÿe viel mehr geschrieben, unter anderem eine für zwei Soloviolinen (Königin Elisabeth von Belgien gewidmet), die man kaum einmal hört und von der es auch nur wenige Aufnahmen gibt. Sie ist nichts weniger als eine Verquickung an Raffinement und Virtuosität, verlangt eine Duplizität an Könnerschaft. Nicht zuletzt reicht sie über den normalen Rahmen einer Sonate hinaus und gewinnt konzertante Züge. Wenn man kann, wie an diesem Abend, entfaltet sich eine ungemein dichte, komplexe und tief romantische Atmosphäre. Scott St. John und Mira Wang hatten nun die Plätze getauscht und zeigten parforce wie lyrisch auskostend gleichermaßen Ausdruck und Leidenschaft – und Feinstabstimmung untereinander.

Doch der Entdeckungen war es nicht genug. Adolf Busch, Bruder des Dirigenten Fritz Busch, hatte einst ein Duett für zwei Violinen geschrieben. Das Opus 50b ist aus der Sonate für Violine solo (Opus 50a) hervorgegangen und war wohl entstanden, um es mit der Tochter Irene zu spielen. Offenbar war das Werk jedoch nicht nur vergessen, sondern der Öffentlichkeit und den Fachkreisen schlicht nicht bekannt, weshalb Scott St. Johns Fund der Notenblätter in den Beständen die Bibliothek des Marlboro Festivals diese selbst überraschte. Nichts Genaues weiß man leider nicht – vielleicht war es eine (Welt-)Premiere, als das Werk nun im Konzert erklang. Verspielt, frohgelaunt und farbenreich ist es mehr als eine »Übung« des Solisten, verriet mit Anklängen an Mahler oder Bach wohl Vorlieben. Mit Verve stürzten sich Scott St. John und Mira Wang in die Schlußfuge.

Kontrapunktisch war es an diesem Abend schon mehrfach zugegangen. So auch im letzten Stück – Miklós Rózsas Sonate Opus 15. Dafür rückten Mira Wang und Scott St. John (nun wieder in dieser Reihenfolge) noch einmal dichter zusammen und konzentrierten sich auf ein Notenpult. Rózsa hat in seinem Werk technischen Anspruch und volkstümliche Motive eng verknüpft, so daß in den drei Sätzen – mit höchstem Anspruch – ein wilder Tanz, ein Liebesständchen mit wehmütigen Glissandi und ein furioser Abschluß folgten. Noch so ein Energie-und-Könner-Stück!

Für den herzlichen Applaus bedankten sich die beiden Solisten mit einem Pizzicato-Duo von Béla Bartók.

30. Mai 2018, Wolfram Quellmalz

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