Concentus Vocalis Dresden in der St. Petri Kirche

25. Jahrgang ist auch ein Neuanfang

Der erfolgreiche und über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Chor concentus vocalis Dresden hat in den 25 Jahren seines Bestehens manche Höhe und besondere Aufführung erlebt, aber auch den einen oder anderen Rückschlag oder Einschnitt erlebt. Der plötzliche Tod des Leiters Matthias Backhaus 2009 war ein Schock, vor zwei Jahren standen die Sänger nach der Trennung von der Lukaskirche ohne zu Hause da.

Doch das war gestern – nun ist vieles neu: der Vereinsstatus, der Probenraum im Marie-Curie-Gymnasium und der Konzertort St. Petri Kirche. Am Sonnabend gab der concentus vocalis Dresden mit seinem neuen und alten Leiter Peter Fanger hier ein Konzert. Mit dabei waren Solisten sowie ein Orchester Dresdner Musiker um die Konzertmeisterin Franziska Graefe und den Organisten Wolfram Hoppe.

Es scheint, als hätte der Chor seinen Klang wiedergefunden, warm und romantisch. Er brachte in Franz Schuberts Messe G-Dur (D 167) die Schlichtheit der Harmonik zum Ausdruck, fand zu einem innigen Zugang, einer Hinwendung in den Messegedanken. Kleine Unsicherheiten waren hier und da noch zu erkennen, etwas Aufwind, auch durch chorischen Nachwuchs, könnte den concentus weiter beflügeln. Das Credo gelang besonders eindrucksvoll mit seiner Steigerung über das Cruzifixus, das Sanctus hatte den zuversichtlichen Osanna-Jubel tief verinnerlicht. Die Solisten Anne Schaab (Sopran), Walter-Reinhold Uhlig (Tenor) und Bryan Rothfuss (Baß) sorgten für besondere Akzente, fanden im Terzett des Benedictus zusammen.

Das für viele vielleicht wichtigste Stück bildete an zweiter Stelle den Kern des Programms: Pēteris Vasks »Dona nobis pacem«. Die Werke des Letten, der auch schon mehrfach in Dresden zu Gast gewesen ist, strebt eine besonders vokale Färbung des Orchesterklanges an, einen »Streichergesang«, wie Vasks es selbst nennt. Dieser gelang den Streichern ganz vortrefflich, so daß sich die Textzeilen schon in der Einleitung aufzudrängen schienen. Der Chor fand für die immer wieder wiederholten Zeile ausdrucksstarke Stimmungen, verhalten zunächst, dann von den Bässen aufsteigend, sich dann wieder senkend und erneut erhebend – Gedanken, unbeantwortete Fragen, Gebete, die schließlich zur Hoffnung des Lichts finden.

Als Intermezzo erklang Wolfgang Amadé Mozarts tänzerisch-leichtes Divertimento F-Dur (KV 138) und sorgte schon einmal für italienische (An)klänge, gekrönt von einer luftigen Pizzicato-Sequenz im dritten Satz.

Mit Antonio Vivaldis Magnificat (RV 610) gab es zum Abschluß noch ein Chorstück, das aber auch mit Holzbläsern (Oboen) für gehörige Farben sorgte. Die Solisten waren um Sybille Sachs (Sopran) und Susann Jacobi (Alt) zu einem Quintett ergänzt. Das ohnehin von Chor und Solostimmen lebhaft dargebotene Stück wurde durch die Instrumentalisten im Fecit potentiam zusätzlich noch angefacht. Der Chor war zu großer Form aufgelaufen, gestaltete ein schwebendes Gloria, das mit seiner Wendung der Tonart zum »Amen« eine positive Stimmung zauberte und die Zuhörer in den Abend entließ.

10. Juni 2018, Wolfram Quellmalz

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