Mit königlichem Amüsement

Leipziger CembaloDuo spielte Lieblingsstücke Friedrich August I. in der Hoflößnitz

Wer einmal die klassischen Instrumente, die in den letzten Jahrhunderten gespielt wurden, untereinander vergleicht, der stellt nicht allein wesentliche Unterschiede zwischen modern und historisch belassen fest, ganze Instrumentengruppen sind seit Renaissance und Barock »aus der Mode« gekommen. Zink, Traversflöte oder Gambe finden sich zumindest im modernen Sinfonieorchester nicht mehr. Das Durchsetzen bzw. Ablegen derlei Moden vollzog sich jedoch über einen langen Zeitraum und war nicht allein vom Fortschritt getragen, sondern nicht zuletzt von Vorlieben oder praktischen Erwägungen beflügelt bzw. gebremst. Gottfried Silbermann und vor allem Bartolomeo Cristofori hatten zwar mit ihren Hammerflügeln die Vorzüge der neue Instrumentengattung aufgezeigt, dennoch dauerte es viele Jahrzehnte, bis sie sich durchsetzten und die Cembali nach und nach verdrängten. Daher wurden sie – ebenso wie Gamben und Violinen – noch lange Zeit »parallel« gespielt. Es gab unter den für zwei Spieler gebauten Doppelflügeln sogar solche wie von Johann Andreas Stein, der beide Instrumente in einem Korpus vereinigte.

Wie solche Duos in der Mozartzeit geklungen haben mögen, konnte man am Sonntag im 5. Kammerkonzert in der Hoflößnitz verfolgen. Michaela Hasselt (Cembalo) und Hildegard Saretz (Hammerflügel) spielten Werke, deren Noten aus der Sammlung Friedrich August I. stammten – Bearbeitungen, die der Fürst für den privaten Gebrauch hatte anfertigen lassen, zum Beispiel von Johann Gottlieb Janitsch. Der gebürtige Schlesier war Mitglied der Hofkapelle Friedrich II. und schrieb dort unter anderem Quartette für Besetzungen mit Flöte und Oboe. Die Bearbeitung hatte eine neue Rollenverteilung zur Folge, die wohl intimer klang und den Zuhörer zunächst mit der ungewöhnlichen Klangkombination vertraut machte.

In Joseph Haydns Concerto a due Cembali F-Dur (auch in Besetzungen Klavier-Violine oder Klavier-Flöte bekannt) zeigte sich: während das Cembalo gleichmäßig brillant klingt, ermöglicht das Hammerklavier dynamische Schattierungen (daher auch als Fortepiano bezeichnet, eine Verknüpfung der Vortragsbezeichnungen für »laut« und »leise«). In der noch recht zarten Bauweise mit Holzrahmen und ohne Pedale erscheint es auch im Klang schlanker. Das Leipziger CembaloDuo schöpfte aus der Verknüpfung die anmutige Charaktervielfalt feiner, leiser Töne, die sich der heiteren Gelassenheit hingaben.

Als reizvolles Kleinod erwies sich Franz Xaver Duscheks Sonata G-Dur, accommodata per due Cembali. Hier nun verflochten sich nicht nur die so unterschiedlichen Stimmen der beiden Instrumente höchst virtuos, aus der komplexen Gestalt erwuchs ein in Klang und Wesen betörendes Kleinod – eine der Einmaligkeiten aus Friedrich Augusts Sammlung.

Auf den Kurfürsten und dessen Familie kamen Michaela Hasselt und Hildegard Saretz in Erläuterung oder Anekdoten immer wieder zurück. Ein famoser Kammermusiker muß er gewesen sein und ein ambitionierter Sammler dazu – allein um die 350 Konzerte hat er zusammentragen lassen.

Darunter »preußische« Werke wie Carl Philipp Emanuel Bachs Concerto G-Dur (Wq 43 / 5), aber auch die ergötzlichen Charakterstudien Six Pièces per due Cembali des Dresdner Hofkapellmeisters Joseph Schuster. Kaum weniger reizvoll war jedoch die dargebotene Zugabe, ein Präludium unserer Tage. Komponist Christian Schiel ließ darin Johann Sebastian Bachs Präludium C-Dur mit chromatischen Veränderungen und einer in die Melodie gespiegelten Baßstimme neu hören.

2. Juli 2018, Wolfram Quellmalz

Tip: Das nächste Kammerkonzert in der Hoflößnitz findet am 29. Juli statt und wird mit Oud (Obeid Alyousef), Djoze (Bassem Hawar) sowie Riq und Daf (Thomas Friedlaender) Klänge des Orients zu Gehör bringen.

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