Gleich zwei Junge Meister zum Jahresabschluß

Konzertreihe im Coselpalais auch »zwischen den Jahren« aktiv

Seit einigen Jahren gehören die »Jungen Meister der Klassik« zum Dresdner Konzertkalender. Veranstalterin Ludmilla Schmidt bringt regelmäßig junge Talente ins Coselpalais, überwiegend Pianisten, aber auch Kammermusikduos oder Jazztrios kommen hierhin, manchmal in den Kanonenhof. Nach Weihnachten folgte einem Klavierabend mit Georgy Tchaidze am Donnerstag noch ein Duoabend des russischen Pianisten und seiner Frau Nadezda Pisareva am Freitag. Der Pianosalon hatte dafür einen Bechstein- und einen Yamahaflügel zur Verfügung gestellt.

Alfred Einstein sagte einst über die Klaviersonate KV 448 von Wolfgang Amadé Mozart, sie sei »galant von Anfang bis Ende«, entspräche in vielem einer »Sinfonia für eine Opera buffa«, während viele Zeitgenossen dem Werk nur unterhaltenden Wert beimaßen. Nadezda Pisareva und Georgy Tchaidze setzten die kleine »Spieloper« wirkungsvoll (und unterhaltsam) in Szene, hoben aber (vor allem Georgy Tchaidze) die virtuosen Passagen besonders kraftvoll heraus. Statt galanter Salonmusik fanden die beiden Pianisten überwiegend konzertante Momente, auch wenn im Andante schon manche Kantilene sanft schimmerte.

Bevor Georgy Tchaidze und Nadezda Pisareva diesem Schimmer noch weiter nachspürten, nahmen sie sich eine Fassung der Nußknacker-Suite zu vier Händen vor. Ouvertüre, Marsch, Zuckerfee … – in sechs Auszügen ließ das Klavierduo Tschaikowskys Ballettmusik wirbeln, Motive sich umschlingen oder gegenseitig anstoßen. Mit dem furiosen Trepak schloß die muntere Kurzfassung.

Danach boten Georgy Tchaidze und Nadezda Pisareva ihren Zuhörern jedoch mit Sergej Rachmaninows Suite Opus 5 (nun wieder an zwei Klavieren) eine packende Entdeckung – solche Gattungsbeiträge hört man selten! Und hier offenbarte sich noch einmal und in vielen Facetten jener Schimmer, der zu Beginn nur kurz aufgeglommen war. Verträumt sponnen beide impressionistische Bilder (Barcarolle), beeindruckten mit einem Fluß, aus dem sich Zuspitzung ebenso ergab wie expressive Motive – toll! Geradezu schumannesk folgte der zweite Satz »La nuit«, der zeigte, zu welch subtiler Klangfärbung Georgy Tchaidze und Nadezda Pisareva in der Lage sind (solche Feinheiten hätte man sich auch bei Mozart gewünscht). Immer wieder brachen sich kraftvolle, an Glockenschläge gemahnende Akkorde ihren Weg, lichtvoll, fast gleißend im abschließenden »Pâques« (Ostern).

Ohne Pause spielten Georgy Tchaidze und Nadezda Pisareva ein nicht besonders langes Programm. Da mußten sie zumindest bei den Zugaben etwas nachlegen und einer Fassung von Johann Sebastian Bachs »Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit« noch Maurice Ravels »Die Kaiserin der Pagoden« folgen lassen.

29. Dezember 2018, Wolfram Quellmalz

nächstes Konzert der Reihe: Georgy Gromov spielt am 18. Januar Werke von Mozart, Franck und Rachmaninow (19:30 Uhr, Coselpalais), weitere Informationen unter:

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