Kreuzstabkantate im Rahmen der Kreuzvesper

Marlen Bieber, Henryk Böhm und das Göttinger Kammerorchester in Dresden

Am Vorabend von Estomihi (»sei mir«) wandte sich die Vesper der Dresdner Kreuzkirche bereits der am Mittwoch beginnenden Passionszeit zu. Im musikalischen Zentrum stand dabei Johann Sebastian Bachs Kantate »Ich will den Kreuzstab gerne tragen« (BWV 56), doch zum Einzug intonierte das Göttinger Kammerorchester unter der Leitung von Antonius Adamske zunächst die Sinfonia aus der Kantate »Ich hatte viel Bekümmernis« (BWV 21).

Entsprechend des Anlasses bzw. der Hinwendung setzten das Orchester wie auch Kreuzorganist Holger Gehring (Johann Adam Wilhelm Freinsberg »Magnificat du II. Ton«) auf »leisere« Farben, Innigkeit und einen (ebenfalls inneren) Zusammenhalt der Instrumente und Stimmen. Gerade die Begleitung der Sänger war eben mehr als »nur« Begleitung, eine fein nuancierte Vereinigung, Betonung, Ausgestaltung. Das wurde bereits in den instrumentalen Stücken bzw. Einleitungen deutlich, aber noch mehr in der Bach-Kantate, einem Gipfelwerk im Schaffen des Thomaskantors. Der Chor der »kleinen bachliebhaberey dresden« war hier auf sehr anrührende Weise an der Gestaltung beteiligt, Solist Henryk Böhm, als ehemaliger Kruzianer dem Haus besonders verbunden, gehörte ebenso zum Chor wie Altistin Marlen Bieber, welche in der Kantate »Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem« (zum Sonntag Estohimi, BWV 159) mitwirkte. Einfühlsam und klar waren beide Solisten (nun vor dem Orchester), ausgewogen und sehr angenehm zurückhaltend (unaufgeregt) im Timbre.

Henryk Böhm konnte sich in der »Kreuzstabkantate« noch mehr vertiefen, inbrünstig das schwierige Thema der Kantate veranschaulichen, vermitteln. Dabei ist Böhm nicht nur ein großartiger Sänger, der mit kantablen Bögen schmeicheln kann, er versteht es zu gestalten, nicht nur, wenn die Rhythmik dies mit einem Wechsel der Betonung vorgibt, wie jeweils am Schluß der beiden Arien, die in »Da leg ich den Kummer auf einmal ins Grab« münden.

Den (gefühlten) Widerspruch der Last des Kreuzstabes und des Friedenssymboles (Kreuz) griff Pfarrer Holger Milkau in seiner Predigt auf, die zwischen die Teile der Kantate eingefügt war. Bemerkenswert war auch Holger Gehrings einfühlsames Orgelvorspiel vor dem Gemeindegesang (Wir gehen hinauf nach Jerusalem).

4. März 2019, Wolfram Quellmalz

nächste Veranstaltungen: Orgelzyklus am 6. März, 20:00 Uhr (ab 19:19 Uhr: »Unter der Stehlampe«, Vorgespräch zum Orgelkonzert), Kreuzchorvesper am 9. März, 17:00 Uhr

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