Märchen oder Hoffung?

KlangNetz Dresden stellt »Die Konferenz der Kinder« auf die Beine

Initiatorin Elisabeth Holmer bezeichnete das Projekt als Herzensangelegenheit: in der letzten Woche der Sommerferien fanden sich gut 100 Kinder aus Dresdner Schulen am Sächsischen Landesgymnasium ein, um in einem Sommercamp die »Konferenz der Kinder« des Komponisten Arne Gieshoff und des Librettisten Alexander Gruber zu erarbeiten. Am Sonntagnachmittag wurde das Werk in der Frauenkirche uraufgeführt.

Die Idee birgt weit mehr als nur Musik oder das Singen im Chor: szenisches Spiel, Bewegung, Tanz und Rhythmus sowie der vielfältige Einsatz der Stimme, wozu sprechen, rufen, Atem gehören – all das war Bestandteil des Werkes. Und nicht nur nebenbei sorgte das Sommercamp für einen zusätzlichen Ausgleich im Spiel.

DAS STÜCK

»Die Konferenz der Kinder« erzählt von Sœur Chacunne, der Schwester des kleinen Prinzen, welche die Erde besuchen kommt. Hier ist viel los, auch viel Negatives – Umwelt und Klimawandel sind brennende Themen. Statt zu einem offiziellen Empfang zu gehen, bleibt Sœur Chacunne bei den Kindern, läßt sich von ihnen erzählen, was sie erlebt haben. Ein Abgeordneter kommt und drängt zum offiziellen Termin, mahnt, sie solle sich nicht formulierte mit von diesen »unartigen Kindern« aufhalten lassen. Doch die protestieren: »Ob wir arm sind oder reich, blond, dunkel oder bleich, sanftmütig oder rüd, putzmunter oder müd – egal aus welchem Reich, ob Ost, West, Norden oder Süd: Wir gelten alle gleich!« Davon läßt sich nicht nur Sœur Chacunne berühren, sondern auch der Abgeordnete überzeugen.

DIE AUFFÜHRUNG

Das Projekt, das mit den Dresdner Schulkonzerten kooperiert, bringt Kinder und Profimusiker auf vielen Ebenen zusammen. Nicht nur Texte wollten gelernt und Melodien gesungen werden, es galt zudem, szenisch wirksam zu arbeiten. Unterstützt wurden Kinder und Betreuer von den Musikern des Chores AuditivVokal, dessen Mitglieder auch Solorollen übernommen hatten, sowie dem Neue-Musik-Ensemble El Perro Andaluz. Milko Kersten (Leitung Kinderchor) und Olaf Katzer (Leitung Ensemble / Bühne) mußten sich in viele Richtungen orientieren, denn gespielt wurde im ganzen Kirchenraum. Während die Kinder zunächst von den Emporen aus sangen, kamen sie später zu Sœur Chacunne  (Elisabeth Holmer) nach unten und an die Bühne.

Über eine Stunde dauert das Werk und bietet eine Vielfalt und Fülle von Szenen und Gestaltungsräumen. Gerade in dieser Erarbeitung ist ein besonderer Wert für die Kinder zu finden, für die solche Projekte eine einmalige, nur selten zu realisierende Ausnahme sind, bei der noch dazu praktisch jeder einen seinen Fähigkeiten entsprechenden Entfaltungsraum finden kann. Zahlreiche Assistenten und Betreuer halfen ihnen dabei.

Der Komponist Arne Gieshoff hat einen Schwerpunkt seiner Arbeit im Sound-Bereich, und so überwiegen in seinem Werk viele klangliche Szenenbilder, die zahlreiche Instrumente und Sonderinstrumente bis hin zur großen Orgel und geriebenen Saiten der Harfe benötigen. Eine der Handlung folgenden oder die Dramaturgie unterstützenden Musik ist dem untergeordnet, weshalb der Erzählfluß manchmal stockt oder es an Kraft fehlt – auffällig vor allem, weil doch die »Fridays-for-Future«-Bewegung deutlich mehr Impuls entwickelt, Widerstand und Protest enthält. Schließlich beendet Sœur Chacunne ihren Besuch und verläßt die Erde wieder, das Ende bleibt offen – sind wirklich alle bekehrt?

19. August 2019, Wolfram Quellmalz

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