Silbermann-Tage eröffnet

Orgelfest für alle Sinne und den Kopf

Es sind bereits die 23. Silbermann-Tage, die am Mittwoch mit einem Festkonzert im Dom St. Marien Freiberg eröffnet wurden. Sie finden seit einigen Jahren alternierend mit dem Musikfest Erzgebirge statt, das in einem Jahr »Vom Berge her« locken wird. Auch die Silbermann-Tage haben zum zweiten Mal ein Motto – und das entsprechende Programm dafür. »Macht & Musik« heißt es in diesem Jahr, zwei Begriffe, die sich seit Jahrhunderten auf verschiedene Weise verbinden lassen, die zu trennen gar nicht möglich scheint. Sie reichen vom einen mächtigen Hof schmückenden Prunk der Musik bis zur Macht, welche Musik auf die Massen ausübt. Das Musikfest beteiligt zahlreiche Gäste, wie in der Reihe »Mächtig, gewaltig«, zu der Kinder Politikern begegnen können. Neben Lesung und Musik gibt es dann auch Zeit für Fragen. Zum Auftakt mit dem Freiberger Oberbürgermeister Sven Kröger am Eröffnungstag kamen bereits 300 junge Gäste. Die Reihe geht am 9. (Reinhardtsgrimma / Dr. Eva-Maria Stange) und 12. September (Herzogswalde / Martin Dulig) weiter.

Schon zum Eröffnungskonzert waren der Stellvertretende Sächsische Ministerpräsident und die Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst anwesend, ebenso Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler. Sie erlebten mit dem zahlreichen Publikum »Musik für Könige – von Versailles nach Dresden«. Zunächst gab es prächtige Musik von Marc-Antoine Charpentier (Te Deum), Nicolas de Gringy (Veni Creator Spiritus) und Johann Sebastian Bach. Dessen Messe h-Moll erklang in der Erstfassung von 1733. Damals hatte Bach die Missa angefertigt, Credo, Sanctus und alle folgenden Teile fügte er erst viel später hinzu. Wie es zu Gottfried Silbermanns Zeiten (oder zu Bachs, beide haben ähnliche Lebensdaten) geklungen haben könnte, dem spürte Michael Schönheit mit dem Collegium Vocale Leipzig und der Merseburger Hofmusik nach.

Die Werke sind Hymnen, Huldigungen und allein schon von prächtigem, königlichen Charakter. Auf historischen Instrumenten wirkten sie noch um einiges blitzender, »schärfer«. Manch einer dürfte überrascht gewesen sein, das als »Eurovisionsmelodie« bekannte Prélude aus Charpentiers Te Deum derart gleißend zu hören – eindrucksvoll! Das Collegium Vocale Leipzig unterstrich dies mit polyphonen Harmonien. Die etwa zwanzig Sängerinnen und Sänger steuerten erheblich zur Pracht bei, etwa die Hälfte von ihnen fand sogar noch kurzfristig zu einem Extraauftritt. Denn Organist Erwan le Prado hatte vorgeschlagen, Nicolas de Gringys für die Messe komponiertem Stück die entsprechenden gregorianischen Teile hinzuzufügen, und so wechselten sich die hymnische Orgelmusik auf Silbermanns Meisterwerk mit den Männerstimmen des Collegiums sinnreich ab.

Die hallige Akustik des großen Domraumes ist natürlich gemacht für solch prachtvollen Klang, wie schön aber, daß die Sänger hier nicht mit Macht versuchten, aufzutrumpfen. Das gilt für den Chor wie für die Solisten ebenso. Isabell Schicketanz und Susanne Langer ließen farbenreich ihre Soprane leuchten. Engelsgleich und ein wenig lyrischer die eine, mit weicherem »Goldrand« die andere. Marie Henriette Reinhold (Alt), Christopher Pfaller (Tenor) und Tobias Ay (Baß) vervollständigten das fabelhafte Quintett.

Die Silbermann-Tage gibt es bis zum 15. September vom Konzert bis zur musikalischen Lesung in großer Vielfalt zu erleben. So konnte Domorganist und Festspielleiter Albrecht Koch am Sonnabend Ulrich Noethen in der Stadtkirche Marienberg begrüßen. Dort wurde das Programm mit Anton Adasinsky (DEREVO-Laboratorium) noch um den Bereich Tanz ergänzt. Im Mittelpunkt stehen natürlich meistens die Silbermann-Orgeln des Erzgebirges. Um den Raum leichter zu erschließen, hat der Veranstalter einen Bustransfer zu vielen Orten eingerichtet. Wichtigster Bestandteil ist jedoch der XIV. Internationale Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerb, der ebenfalls am Sonnabend begann. Angemeldet sind 31 junge Organisten aus elf Ländern von drei Kontinenten – wahrlich international! Der Gewinner oder die Gewinnerin steht am 14. September nach der Finalrunde (ab 10:00 Uhr im Freiberger Dom) fest. Jener von 2017, dem letzten Jahrgang, ist gleich heute zu erleben: Johannes Krahl spielte mit dem Capricornus Consort Basel in der Kirche Cämmerswalde (19:30 Uhr).

Übrigens: das unbefugte Spielen der königlichen Trompeten und Pauken, wie sie im Eröffnungskonzert zu hören waren, wurde einst von den sächsischen Kurfürsten verboten. Am 10. September sollen historische Silbertrompeten aus den Beständen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (Kunstgewerbemuseum) im Konzert in der Kirche Forchheim erklingen.

5. September, Wolfram Quellmalz

Hinweise

mdr Kultur und Deutschlandradio Kultur schneiden zwei der Konzerte mit (gegebenenfalls auch in der Mediathek zu hören):

  • Eröffnungskonzert, 24. September, 20:04 Uhr, mdr Kultur
  • »Viva la Música« (14. September / Freiberg, Nikolaikirche), Deutschlandfunk Kultur, Sendetermin offen

Während der Silbermann-Tage findet der Internationale XIV. Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerb in Freiberg und in Kirchen des Erzgebirges statt. Die Orgelprüfungen finden öffentlich statt.

weitere Informationen unter: https://silbermann.org/silbermann-tage/

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