Rückkehr der Residenzkünstlerin

Dorothee Mields beim Heinrich Schütz Musikfest

Es war sogar eine doppelte Rückkehr: der Oktobertermin in der Konzertreihe »Offenes Palais« im Palais im Großen Garten Dresden gehört seit einigen Jahren zum Heinrich Schütz Musikfest. Am gestrigen Dienstag kehrte mit der Sopranistin Dorothee Mields nicht nur die vorjährige Residenzkünstlerin des Musikfestes zurück, die Sopranistin war hier 2011 auch schon in den Anfangsjahren des »Offenen Palais« zu Gast.

Mit Andreas Arend (Theorbe) und Claas Harders (Viola da Gamba) bot sie nicht nur Musik des 17. Jahrhunderts, sondern auch Texte (aus verschiedenen Zeiten), die sich vor allem um die Liebe, deren Licht und Abgrund rankten. Allerdings ist es nicht jedem gegeben, Texte, vor allem Gedichte vorzutragen, so geriet mancher Vortrag etwas spröde. Dorothee Mields kann dies sehr wohl, obgleich die Analogie, daß man zum Vortragen eine gute Stimme braucht und ein guter Sänger automatisch ein guter Vorleser sei, nicht zutrifft (nicht einmal Theaterschauspieler sind ad hoc für Lesungen geeignet). Doch die Sopranistin hat sich jahrelang mit Texten und Programmen auseinandergesetzt und das Sprechen ausreichend berücksichtigt.

So erklangen Kompositionen von Barbara Strozzi, Johann Hieronymus Kapsberger, Giovanni Felice Sances und anderen. Das Jahr 1607 mit Claudio Monteverdis »L’Orfeo« gilt heute als Beginn der Operngeschichte, doch war es sicher nicht das erste derartige Werk bzw. führte der Weg dorthin bereits zu manchen Balletten und »Semi«-Aufführungen mit gesprochenen und gesungenen Texten und Musik. In Dorothee Mields Programm fanden sich solche »Anwärter«, wie Carlo Caccinis Le nuove Musiche (1601) oder Tobias Humes »Death« (1605). Daß Musik und Gesang noch viel tiefere Wurzeln haben, zeigte ein Lied von Celius Sedulius (Caelius Sedulius oder nur Sedulius), einem Dichter des 5. Jahrhunderts.

Dorothee Mields kann mit ihrer Stimme eine große Weite umspannen, einem schlichten Liedgesang intime Nähe und Wärme spenden oder Arien vielgestaltig ausschmücken. In tieferen Lagen klingt ihr Sopran anschmiegsam und hat eine sichere Grundlage, von dort kann sie sich in höchste Spitzentöne aufschwingen und Koloraturen schmücken. Und wenn sie von »Amor dormiglione« (schlafloser Liebe) sang, wußte sie entsprechendes Feuer zu entfachen!

Es war ein feines Programm, das Wert legte auf Stimme und Stille. Andreas Arend und Claas Harders waren mal Baßbegleitung, dann Gegenstimme und kamen auch solo zu »Ton«. Die ergänzenden Texte (wie das »Hohelied«, Erich Frieds »Mühe« oder Rainer Maria Rilkes »Die Stille«) erwiesen sich als passend.

9. Oktober 2019, Wolfram Quellmalz

Das Heinrich Schütz Musikfest nähert sich seinem Höhepunkt. Mit zwei Wandelkonzerten heute (Albertinum), dem Auftritt von L’arpeggiata morgen und einem besonderen Konzert im Sächsischen Landesgymnasium für Musik am Freitag macht es auch jeweils in Dresden Station.

Weitere Informationen: www.schuetz-musikfest.de

Nächstes Konzert der Reihe »Offenes Palais«: »Das Herz der Karawanenstraße – traditionelle Klänge aus dem Orient«, Trio TRACHT sowie eine Kunstbetrachtung von Dr. Anke Scharrhs, 12. November 2019, 14:30 und 19:30 Uhr, Palais im Großen Garten Dresden

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