Schulchorprojekt feiert kleines Jubiläum

Fünftes Jahr von Saxonia Cantat mit »Carmina Burana«

Seit 2015 findet an einem Wochenende im September das vom Sächsischen Musikrat ins Leben gerufene Projekt Saxonia Cantat statt, welches für den Moment Schulchöre für die Aufführung von Musik zusammenbringen, sie langfristig stärker vernetzen möchte.

Nach gemischten Programmen in verschiedenen Kirchen und dem Alten Schlachthof in den vergangenen Jahren kam Saxonia Cantat am Sonntag ganz klassisch nun im Kulturpalast an – es dürfte die bisher größte Veranstaltung gewesen sein.

Sieben Chöre hatten für Carl Orffs »Carmina Burana« zusammengefunden: der Kinderchor des Romain-Rolland-Gymnasium Dresden (Leitung: Nataly Pomsel), die Chöre des Pestalozzi Gymnasiums Heidenau (Max Röber), des Vitzthum-Gymnasiums Dresden (Dörte Rossow) und der Waldorfschule Leipzig (Leitung: Steffi Gerber), der Jugendchor des Lessinggymnasiums Hoyerswerda (Ilona Seliger) sowie der Philharmonische Chor und der Philharmonische Kinderchor sorgten für vollbesetzte Chor- und Seitenränge. Gunter Berger und Iris Geißler hatten die Philharmonischen Chöre vorbereitet und mit dem Gesamtchor geprobt. Die Leitung des Abends lag schließlich in den Händen von Wolfgang Behrend, der nicht nur Leiter des beteiligten Orchesters medicanti ist, sondern als Chordirigent des Kreuzchores ebenso über Chorerfahrung verfügt. Orffs kolossales Werk verlangt oft nach kräftigen Klangfarben und zahlreichen Glöckchen, Schlagwerken und ähnlichem. Dafür stand dem Orchester zusätzlich das Percussion-Ensemble Markkleeberg der Musik- und Kunstschule »Ottmar Gerster« zur Seite.

Bemerkenswert war bei all der Fülle, Pracht und Vielzahl, wie maßvoll Chor (Chöre) und Orchester blieben. Wolfgang Behrend lotete sie behutsam um manche Klippen, vermied schrilles Auftürmen oder Schreien. Oft waren Rollen bzw. Stimmen auf einzelne Chöre oder Chorgruppen verteilt, aber noch der Gesamtchor behielt eine ansprechende, harmonische Klangfarbe und war vor allem gut verständlich! Dabei kann das Werk, wenn man nach Texten und Inhalt geht, durchaus fordern (oder verwirren). Doch hier hatten die Chorleiterinnen und -leiter wohl schon in der Vorbereitung wesentliches geleistet, ohne zu akademisch zu sein.

Solistisch wurde Saxonia Cantat von drei Sängern unterstützt, die gerade im Opernfach erfahren sind und eine Szene auch konzertant mit Leben füllen können: Cornel Frey, der als Tenor im Falsett vom »gebratenen Schwan« zu singen hatte, während Raymund Ayers seinen wandlungsfähigen Baryton als Erzähler einsetzte und im Estuans interius (Glühen in mir) einen wahren Artikulationsgalopp vollbrachte. Sopranistin Vera-Lotte Böcker konnte ihr Timbre für unterschiedliche Rollen wandeln, feinfühlig und anmutig singen (In truitina / Unentschieden) oder Figuren blühend ausdeuten (Amor volat undique / Amor fliegt überall).

Wie gut das Orchester (bzw. die beiden Orchestergruppen) sie unterstützten, zeigte sich nicht zuletzt in den Einleitungen wie den Frühling darstellenden Tönen im ersten Teil oder später dem »Reigen«. Und immer wieder traten Solisten (wie Flöte und Hörner) als Partner der Sänger hervor.

Nach über einer Stunde Spannung gab es viel Applaus, auch von den Schülerinnen und Schülern für die Chorleiter.

7. Oktober 2019, Wolfram Quellmalz

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