Musikalische Bereicherung

Dresdner Mozart-Verein stellt Komponistinnen vor

Nicht nur Komponisten wie Henry Purcell, Franz Schubert oder Felix Mendelssohn starben jung, auch manchen Komponistinnen war kein langes Leben beschieden. Die Daten von Fanny Mendelssohn oder Amanda Röntgen-Maier brechen bereits früh ab – die letztere verfehlte knapp die Gründung des Dresdner Mozart-Vereines 1896. Glücklicherweise sind sie jedoch nicht nur nicht vergessen, sondern werden uns außerdem wiederentdeckt.

So wie Louise Farrenc. Sie war zu Lebzeiten bereits als Musikerin, Komponistin und Musikwissenschaftlerin anerkannt, als eine der ersten Professorinnen gehörte sie wie Clara Schumann zu einem exklusiven Kreis. Mittlerweile ist ihre Musik, vor allem die dritte Sinfonie, auch einem größeren Publikum wieder bekannt. KMD i. R. Christian Thiele hatte für das Konzert des Dresdner Mozartvereines am Sonntag in der Briesnitzer Kirche die Sinfonie Nr. 1 Opus 32 ausgewählt (das Konzert war am Sonnabend bereits in der St. Wolfgangskirche Glashütte gespielt worden). Farrenc zeigte sich darin als Meisterin nicht nur im Erfinden von Melodien, sondern in deren Verarbeitung und Verquickung – für das Laienorchester eine große Aufgabe, sind doch bis in sämtliche Bläserstimmen die Instrumente mit vielen Soli besetzt.

Während man also beim Schlußwerk des Abends zumindest für manche von einer »Bekanntschaft« ausgehen konnte, dürfte das Violinkonzert von Amanda Maier für viele unbekannt gewesen sein. Mit Thea Müller (Violine) als Solistin erblühte es förmlich, vollgesogen mit dem Atem der Romantik, der weit gefaßt schien und ein Bukett an Aromen mit sich brachte. Hier und da streifte das Konzert an Schumann oder Mendelssohn, war an sich schon eine höchst willkommene Entdeckung und in der Darbietung gerade der Solistin ausgezeichnet. Thea Müller verband virtuosen Anspruch mit romantischer Klangfarbe und konnte gerade lyrische, weich gezeichnete Passagen sehr ansprechend gestalten. Ob eingebundene oder freie Kadenzen – die Solistin war mit dem unbekannten Werk offenbar auf sicherem Terrain, aber auch das Orchester fühlte sich bis in die Soli von Oboe und Hörnern offenbar sicher (oder gut erprobt).

Begonnen hatte der Abend mit Fanny Mendelssohns Ouverture C-Dur, die – vielleicht dem Familienbild entsprechend – das Konzert hell und flink eröffnet hatte.

Für Christian Thiele war es das letzte reguläre Konzert, denn nach dem 10. November wird er die künstlerische Leitung in die Hände von Vladyslav Vorobel legen. Doch zuvor gibt es noch einen letzten Dienst in der Frauenkirche.

4. November 2019, Wolfram Quellmalz

Sonntag, 10. November 2019, 11:00 Uhr, Dresdner Frauenkirche, Gottesdienst mit Frauenkirchenpfarrer Sebastian Feydt, die Musik von Wolfgang Amadé Mozart, Felix Mendelssohn und Paul Wranitzky spielt das Orchester des Mozart-Vereins zu Dresden e. V., Leitung: KMD i. R. Christian Thiele

CD-Tips:

Die Sinfonien von Louise Farrenc sind beim Entdecker-Label cpo erhältlich (1 und 3 sowie 2 mit Ouvertüren), ebenso sind Aufnahmen von Klavier- und Kammerwerken verfügbar.

Bei Amanda Maier ist die Lage leider »übersichtlicher«: Gregory Maytan (Violine) und Andreas Stoehr haben das Violinkonzert mit dem Helsingborg Symphony Orchestra eingespielt (dB Productions), weiterhin sind Stücke für Violin und Klavier sowie Kammermusikwerke erhältlich (ebenfalls dB Productions)

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