»Pastorale« in der Dresdner Annenkirche

voicemade und das NAM Instrumentalensemble zum 1. Advent

Das Netzwerk Alte Musik hatte sich zum Beginn der Adventszeit auf eine kleine Konzertreise begeben. Nach Auftritten in der Heilandskirche Leipzig und der Petruskirche Halle waren sie am Sonntag in Dresden zu Gast. Die »Französische Hirtenweihnacht«, so der Untertitel, bezog sich dabei auf Marc-Antoine Charpentiers Pastorale sur la naissance de Notre Seigneur Jésus Christ, die anderen drei Stücke, Andreas Hammerschmidts »Meine Seele erhebt den Herrn«, die Motette O Jesu amantissime von André Campra sowie Johann Christoph Pez‘ Concerto pastorale waren zwar dem Weihnachtsthema zugehörig, doch nicht französischen Ursprungs.

Doch nicht nur der Advent prägt die Zeit – der naßkalte Herbst bringt manche Erkältung mit sich. Bassist Vincent Berger konnte zwar am Konzert mitwirken, mußte seine Anteile aber reduzieren. Campras Motette fiel daher einer Streichung zum Opfer, in Charpentiers Weihnachtserzählung übernahm kurzerhand Bariton Friedemann Meinhardt den Part.

Beide Ensembles setzen sich übrigens überwiegend aus Studenten zusammen. Daß diese noch Erfahrungen zu machen haben sowie die erwähnte Einschränkung der Stimmen (die sämtlich solo besetzt waren) mochten manche Unausgewogenheit erklären. Indes – zu Studium und Kirchenmusik gehört nicht zuletzt ein gewisser Freiraum, ein pragmatisches Improvisieren, insofern darf man über manches auch einmal hinwegsehen.

Dafür »bekam« man schließlich eine selten präsentierte Werkauswahl und den vollen Einsatz aller Musiker. Lili Hein (Sopran) und Vincent Berger gehörten dabei zu den stimmkräftigsten Sängern, Friedemann Meinhardt, der in der Präsenz zunächst deutlich hinter beiden zurückblieb, wuchs mit der neu übernommenen Rolle spürbar. In derlei Werken ist zum Beispiel ein Mezzosopran eher selten zu erleben, Johanna Jäger sorgte für weiche Nuancen zwischen den beiden Kolleginnen (Alt: Ebba Lejonclou), und auch Tenor Johann Jakob Winter unternahm bei Charpentier einen »Ausflug« ins französische Fach des Haute-Contre.

Während es bei Andreas Hammerschmidt zunächst galt, a capella nach Homogenität zu streben und Wortausdeutungen zu finden (auch zugespitzt wie in »die hoffärtig sind in ihre Herzens Sinn«), waren bei Charpentier Erzählerstimmen und Rollen gefragt. Farbig gestaltete das Sextett die Geschichte aus, die ja nicht nur von Glück und Freude spricht, sondern verstörende, verängstigende Momente enthält.

Mit dem Instrumentalensemble um den erfahrenen Lautenisten Matthias Otto stand dabei eine passende Kapelle zur Verfügung, die von den Violinen (Dora Alexiadou, Ian Carlos Herrera) bis zu den Blockflöten in verschiedenen Stimmlagen (Margot Simon, Janne Munkwitz) die pastorale Stimmung eigentlich ziemlich gut trafen – man darf gespannt sein, wie sich das Projekt entwickelt.

2. Dezember 2019, Wolfram Quellmalz

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