Kreuzvesper zu Lichtmeß

Männerstimmen des Kreuzchores sorgen für Aufhellung

Der Tag der »Darstellung des Herrn«, auch im protestantischen Sprachgebrauch »Lichtmeß« genannt, fällt in diesem Jahr auf den letzten Sonntag nach Epiphanias, womit sich der Weihnachtskreis endgültig schließt. Etwas von dessen Licht, hoffte Liturg Superintendent Christian Behr, mögen wir nicht nur ins und tragen, sondern auch weitergeben.

Die musikalische Gestaltung lag bei den Männerstimmen des Kreuzchores (Leitung: Kreuzkantor Roderich Kreile) und Kreuzorganist Holger Gehring.

Doch weder Lichtmeß noch Männerstimmen stehen für ein Ausbleiben des Lichtes oder für Dunkelheit. Stimmen wie Werke sorgten für nachhaltig lichtvolle Gedanken, wobei viele der Werke (Heinrich Schütz, Orlando di Lasso) solistisch besetzt waren, was einem sehr intimen, verinnerlichenden Charakter nahekam.

Dem stand die »Messe für drei Stimmen« William Byrds gegenüber, die im Gegensatz zu vielen anderen Messevertonungen, also dem was man als »üblich« kennt, recht schnell voranschreitet – kein Stillstand nach Lichtmeß. Dennoch tat die Zerlegung der einzelner Teile in drei Gruppen dem Werk nicht gut, denn so verloren sich Credo, Sanctus etc. zwischen den anderen Musikstücken und schienen etwas von ihrer Bestimmung zu verlieren (Messen werden im allgemeinen im ganzen aufgeführt oder von Predigttexten, aber weniger von anderen Werken unterbrochen).

So wohnte zwei anderen Stücken der Lichtgedanke besonders inne: zum einen Heinrich Kaminskys Toccata über »Wie schön leuchtet der Morgenstern«, der deutlich einen Zeitpunkt nach dem Erscheinen des Morgensterns bzw. des Weihnachtsfestes darstellt und einen Weg voranzuschreiten, einen Ausblick zu eröffnen scheint. Holger Gehring fand hierfür eine anregende, kontrastreiche Interpretation. Gleich im Anschluß sorgte er gemeinsam mit dem Chor sowie Schlagwerk (Glocken) für kontemplative Strahlwirkung in Arvo Pärts faszinierendem De profundis. Mit dem Chor auf der Orgelempore wurde der Vespergemeinde hier ein großes, eindrückliches Erlebnis von großer Leuchtkraft zuteil.

2. Februar 2020, Wolfram Quellmalz

Am Mittwoch beginnt der diesjährige Orgelzyklus mit einem Konzert in der Kreuzkirche. Heinrich Kaminski wird auch dann wieder erklingen, darüber hinaus spielt Kreuzorganist Holger Gehring Werke von Olivier Messiaen und Louis Vierne. Interessierte Besucher sind zuvor zum Gespräch »unter der Stehlampe« (19:19 Uhr, Schützkapelle) eingeladen.

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