Es sind noch Wünsche offen

Erhaltenswertes muß erhalten bleiben!

Es sind nicht nur Schlösser, Parks und Opernhäuser, es betrifft die kleine Kammermusikreihe ebenso wie das alternative Theater, den Buch- oder CD-Laden, den Schuster. Momentan ist vieles nicht verfügbar, nicht erreichbar.

Oder?

Probieren Sie es! Erstens sollten wir anfangen, uns zu merken, noch besser, eine Liste zu schreiben mit Dingen, die wir »danach« nachholen wollen. Doch wir können schon jetzt in Kontakt bleiben. Mit alten Freunden und Verwandten und mit Kollegen, die irgendwo im Home-Office sitzen, versuchen zu arbeiten und die Kinderbetreuung unter einen »Hut« zu bekommen (glauben Sie mir: es geht nicht!). Gerade heute konnte ich wieder erfahren, wie schön es ist, wenn sich Kollegen, die man sonst oft trifft oder in ihrem Bureau erreicht, melden, weil man bei ihnen wegen eines Kontaktes (natürlich elektronisch), Termins (selbstverständlich virtuell) oder Pressebildes (zum Opern-online-Programm) nachgefragt hat.

In meiner Hamburger Zeit hatte ich einen alten Schuhmachermeister, der mir alle paar Monate (oder waren es Wochen?) Absätze und Sohlen erneuerte und gerne erzählte. Sein Geselle war auch sehr patent, bei ihm habe ich die Schuhe oft abgegeben, aber zum Abholen bin ich immer am späten Nachmittag hingegangen, um mit dem alten Meister zu plaudern oder einfach nur zu hören, was er (in Schlesien geboren) erlebt hatte. Das ist nun schon wieder über fünfzehn Jahre her, und heute konnte ich weder ihn noch seinen Nachfolger im Telephonbuch finden. Aber Kontakte zum Auffrischen gibt es noch genug, auch mit einem Analogtelephon geht das oder sogar – dafür ist doch jetzt Zeit? – per Brief. Per Telephon kann man zum Beispiel die kleine Buchhandlung anrufen. Bestimmt ist irgend jemand da, mit dem man reden kann, und vielleicht – das ist oft der Fall – hat der kleine Buchladen sogar einen Versandservice. Wenn nicht, lesen Sie etwas vom Stapel der Bücher, der schon darauf wartet, abgearbeitet zu werden. Und die Bestellung geben Sie dann demnächst auf.

Papier und Bleistift liegen auf jeden Fall schon bereit für die Liste mit Dingen, die nachgeholt werden wollen …

24. März 2020, Wolfram Quellmalz

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