Ausbruchsversuche

Reicht es nicht langsam ODER: Wie zurück?

Ganz ehrlich – die Erkenntnis, daß digitale oder virtuelle Veranstaltungen die echten nicht ersetzen können, hätte gar keines Beweises bedurft – oder? Schon vor dem Stillstand gab es digitale oder medienübergreifende Projekte – darunter durchaus wertvolle! Denn Digitalität ist ein Schlüssel für Zugänglichkeit, kann Türen öffnen, Einblicke ermöglichen, kann selbst Einladung sein. Doch mehr eben kaum – ein Surrogat? Nein!

Nicht nur Kulturschaffende haben in den letzten Wochen darauf hingewiesen und betont, wie wichtig Kultur ist und daß sie nicht unter einem Kriterium »nicht Systemrelevanz« oder gar »nicht lebensnotwendig« zurückgestellt werden darf. Und doch entspricht genau das der aktuellen Situation. Während Kontaktvorschriften langsam gelockert werden und stufenweise ein Weg zurück zur »Normalität« geebnet wird, erreichen uns in der Kultur nach wie vor Absagen – zuletzt von der Schumanniade in Kreischa und den Internationalen Schostakowitsch Tagen Gohrisch. Theater, Opernhäuser und Konzertveranstalter streichen nach und nach immer weiter ihre Veranstaltungen (so sie nicht bereits bis zu Ende der Spielzeit abgesagt sind). Einen einzigen Lichtblick empfingen wir in diesen Tagen: vom Moritzburg Festival, das seinen Vorverkauf gestartet hat und hoffentlich wie geplant im August stattfinden kann.

Was verwundert, ist, daß nicht nur aus der Politik, sondern  auch von den Veranstaltern (wie großen Opernhäusern) selbst keine weiteren Zeichen kommen. Kultur gehört (ab 1000 Besuchern) zu den »Massenveranstaltungen« – doch es genügt wohl kaum, sie darauf zu reduzieren. Selbst wenn man sie nur durch die Brille der Ökonomie betrachtet: Kultur ist auch als Wirtschaftsfaktor wichtig. Doch während die Bundesliga das Privileg genießt, daß Konzepte für einen Wiederanfang noch in dieser Spielzeit entwickelt werden, fehlen derartige Überlegungen in Theatern, Häusern und bei Orchestern.

Was so stört, ist die Lichtlosigkeit der gegenwärtigen Situation. Da werden wir zwar ob unserer Disziplin gelobt, gleichzeitig aber fast permanent agitiert – selbst mein Mobilfunkanbieter blendet auf dem Telephon statt seines Namens »#StayHome« ein – das nervt!

Auch wenn das »virtuelle Eckchen« vollkommen unzureichend ist, empfehlen wir Ihnen trotzdem gerne manche Hinweise. So gibt es auch aus der Frauenkirche Dresden musikalische Grüße von Matthias Grünert (Frauenkirchenkantor), Samuel Kummer (Frauenkirchenorganist) und Daniel Hope (Künstlerischer Leiter der Konzerte). Sie finden die Videobotschaften aus den Räumen der Frauenkirche bzw. aus dem Wohnzimmer von Daniel Hope hier:

https://www.frauenkirche-dresden.de/videogruesse-musik/

Oder auf der Seite von Matthias Grünerts Orgelfahrten:

https://www.orgelfahrt.de/

Und auch die zuletzt von uns angekündigten Konzerte können Sie nachhören:

Zweite virtuelle Matinée des Pianosalons Dresden (25 min):

https://www.pianosalon.de/aktuelles/veranstaltung/zweite-virtuelle-matinee-am-03-05-2020/

Musikalischer Gruß aus Dresden von AUDITIVVOKAL (5 min):

https://www.auditivvokal.de/de/event/ruf-in-die-stille-zu-unsern-zeiten

Wenn Sie allerdings genug haben von Videos, virtuellen Auftritten und YouTube, dann gehen Sie doch ins CD-Geschäft – ja, es hat wieder geöffnet! Wir haben kürzlich beim Stöbern zwei alte CDs vom Philharmonisches Orchester Altenburg Gera neu entdeckt. Vor elf Jahren nahm Eric Solen mit dem Orchester Sinfonien und ein Flötenkonzert Paul Graeners auf, und auch die Musik Heinrich Hofmanns erweist sich als reizvoll und entdeckenswert:

Sinfonische Musik und Suiten sowie Flötenmusik von Paul Graener und Heinrich Hofmann, erschienen bei Sterling (2009)

6. Mai 2020, Wolfram Quellmalz

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