Ensemble cum passione

Kreuzvesper vor dem Sonntag Exaudi

Bereits zum dritten Mal seit der vorübergehenden Schließung des Hauses und der Verlagerung der Vesper ins Fernseh- und online-Angebot fand am Sonnabend in der Dresdner Kreuzkirche wieder eine Vesper statt. Wie ursprünglich geplant war daran das Ensemble cum passione beteiligt. Eigentlich ist es ein engagierter Kammerchor, der seinem Namen Ehre macht und Musik »mit Leidenschaft« ausfüllt. Allerdings ist ein Auftritt des Chores mit den vorgesehenen Motetten von Henry Purcell, Felix Mendelssohn und Edvard Grieg derzeit noch nicht möglich.

Doch selbst in auf ein Minimum reduzierter Stärke (Julius Maier / Violine Paul Gelhard / Violoncello sowie Laura Keil / Sopran) gelang dem Ensemble cum passione eine berührende Gestaltung der Werke. Robert Schad (Continuo-Orgel und Leitung) hatte für den sechsten Sonntag nach Ostern unter anderem zwei Solokantaten von Georg Friedrich Händel (»Süße Stille, sanfte Quelle«) und Georg Philipp Telemann (»Erwachet, entreißt euch den sündigen Träumen«) ausgewählt. Dem »Lachen, Jauchzen, Hüpfen, Loben« in der zwieten Arie bei Telemann verlieh cum passione den Schwung wiedererwachter Vitalität bzw. den Beginn der zurückkehrenden Normalität.

Den unterschiedlichen Träumen, jenen, die sich noch nicht erfüllen lassen, solchen, die ein ersehntes Ziel sind, aber auch Alpträumen, in deren Fänge man geraten kann, widmete Superintendent Christian Behr das Wort zum Sonntag. Sich nicht in Träumen verlieren, sondern tätig im Weinberg bleiben – körperlicher Abstand bedeutet nicht sozialen Abstand. Wer die soziale Nähe weiterhin sucht, pflegt, Kontakte aufrechterhält, und sei es am Telephon, ist bereits tätig im Weinberg und nicht in Träumen verloren.

Aufwärts streben, Licht suchen – so hätte man Georg Friedrich Händels Sonate A-Dur für Violine und Basso continuo Opus 1 Nr. 14. zur Eröffnung wie auch Johann Sebastian Bachs Concerto d-Moll BWV 596 (nach Antonio Vivaldis Concerto RV 565 mit Holger Gehring an der Jehmlich-Orgel) interpretieren können – die Fuge im ersten Satz des Concerto schien nach Bach und einer Orgel verlangt zu haben. Die einstimmige Besetzung der Sonate verlieh dem Ausdruck leichte Flügel. Gerade die zarten Säzte Adagio und Largo Händels waren anrührend, das abschließende Allegro um so erfrischender.

Mit dem »Gebet« aus Heinrich von Herzogenbergs Geistlichen Gesängen Opus 89 hatte Robert Schad noch ein romantisches Kleinod ins Programm genommen – eine musikalische Umarmung süßen, milden Lichtes.

24. Mai 2020, Wolfram Quellmalz

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