Bach statt Messias

Dresdner Frauenkirche klingt wieder

Das Ensemble Frauenkirche hatte für den vergangenen Sonnabend auch im Jahresprogramm des Hauses gestanden, allerdings mit Händels »Messias«. Der mußte leider entfallen, immerhin aber öffneten sich nach Wochen der Schließung erstmals wieder die Türen. »Mit Demut und Freude« begrüßten Frauenkirchenkantor Matthias Grünert und Maria Noth von der Stiftung Frauenkirche das Publikum – mit 104 Personen war »Bach nach acht« ausverkauft. Noch saßen die Besucher im Schiff verteilt, doch Nachfrage und Zuspruch lassen auf mehr hoffen, so sollen für kommende Veranstaltungen auch die Emporen wieder geöffnet werden.

Statt Händels großem Oratorium gab es Werke Johann Sebastian Bachs zu hören – klein in der Besetzung, groß in der Wirkung, könnte man sagen. Schon allein wegen des Mangels an Aufführungen war es eher nebensächlich, ob die Sonate C-Dur, BWV 1037, nun von Bach oder doch einem anderen, etwa dem Dresdner Cembalisten Johann Gottlieb Goldberg stammte. Die Musik, die jetzt endlich wieder erklang, hatte den Vorrang und ließ die Violinstimmen (Jörg Faßmann und Lenka Matejakova) zart durch den Raum schweben. Im Altarraum spielend (Abstand zum Publikum haltend) konnten sich gerade die gesanglichen Instrumente durchsetzen, während vom Basso continuo (Matthias Grünert / Cembalo und Tom Höhnerbach / Violoncello) vor allem das silbrige Perlen des Cembalos durchdrang.

Der Autor der C-Dur-Sonate hatte durchaus die Form der Fuge beherrscht. Darin hatte ja vor allem Bach seine Meisterschaft bewiesen. Seine Sonate e-Moll (BWV 1023) zeigt darüber hinaus, wie sehr er den italienischen Stil schätzte. Jörg Faßmann ließ sie gesanglich und frei leuchten. Wie feiner Gesang, eine Arie mit Cembalo, mutete das Adagio an.

Nicht nur von Italien, sondern direkt von Antonio Vivaldi inspiriert ist das Concerto a-Moll (BWV 593), in dem Bach ein Konzert für zwei Violinen, Streicher und Basso continuo übertragen hat. Wesentliche Anregungen, die Solo- und Tuttistimmen des italienischen Orchesters für Manuale und Pedale einzurichten, hatte er durch Johann Gottfried Walther erfahren. Für diese Übertragung mußte Matthias Grünert vom Altarraum nach oben auf die Orgelempore eilen – über jene Treppe, die auf Höhe des Altars noch aus den historischen Stufen besteht, die schon Bach zur Orgel nahm.

Nach dem kammermusikalischen Feinsinn entfaltete sich das Concerto a-Moll nun mit erfreulicher, orchestraler Wucht. Während man das Werk sonst auch an großen Instrumenten durchaus schlichter, innerlicher hört, erhielt Matthias Grünert die Vielfalt der Orchesterstimmen in den Orgelfarben – ein fröhlicher Charakter, der ebenso dem Anlaß des konzertanten Neubeginns entsprach.

Als Schlußpunkt und quasi Symbiose aus Kammermusik und Orgelstimme fügte Johannes Pfeiffer (Oboe) in der der Sonate G-Dur (BWV 1039, nun wieder mit Cembalobegleitung) noch die Farbe eines Holzbläsers hinzu. Mit geschmeidiger Tonfärbung, aber nicht stechend, trat die Oboe hervor, bildete mit Jörg Faßmanns Violine ein Duo, auch dieses ganz der Gesanglichkeit hingegeben.

31. Mai 2020, Wolfram Quellmalz

Nächste Veranstaltungen in der Dresdner Frauenkirche:

Hope@Home on Tour, Daniel Hope und amarcord spielen und singen Werke, von John Dowland und Heinrich Schütz bis Sinéad O’Connor und Cole Porter (6. Juni, je 18:00 und 20:00 Uhr)

Geistliche Sonntagsmusik mit Motetten und Liedsätzen von Michael Praetorius, Chor der Frauenkirche, Instrumenta Musica, Matthias Grünert (7. Juni, 16:00 Uhr)

 

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