Verweile doch, Du bist so schön …

MittwochsMusik in der Dresdner Lukaskirche

Daß das Faust’sche Streben am Ende in ein Getriebensein führt und – hätte ihn Gretchen oder des Himmels Gnade nicht erlöst – in noch schlimmeres, ist uns schon allgemein bekannt. Im einzelnen kann man es auch gegenwärtig erfahren, in einer Situation, die viele (auch) als Entschleunigung wahrnehmen. Was aber nur eine Facette ist und keine grundsätzlich positive »Seite« – auf zu viel müssen wir derzeit verzichten.

Auf Kultur zum Beispiel. Aber die kehrt nun langsam wieder, in Einzelkonzerten mit Solisten, kleinen Ensembles, Kammermusikern. Gestern waren am bereits dritten Abend der MittwochsMusik in der Dresdner Lukaskirche Barbara Christina Steude (Sopran) und Claudia Pätzold (Cembalo) zu Gast und präsentierten geistliches und weltliches Liedgut – vom feinsten, kann man sagen.

Das kurze Programm (die MittwochsMusiken dauern jeweils eine halbe Stunde) begann mit dem »Orpheus Britannicus« Henry Purcell. Dieser hatte Worte in Musik gefaßt, die für den ganzen Abend hätten Pate stehen können: »Musik for a while« (Musik für eine Weile) – in fast jedem der Lieder wurde die Schönheit aufgegriffen, nicht als oberflächliches Merkmal des Aussehens, sondern ein durchdrungenes, innerliches Empfinden – zu verweilen ist wichtig, auch für jene, die stetig voranschreiten!

Barbara Christina Steude und Claudia Pätzold luden nicht nur zum Verweilen, sie luden zum Genießen ein, zum Innehalten und sich besinnen – wohltuend in diesen Tagen! Manchmal gibt es sie eben, die glücklichen Momente, wie hier, an diesem auch akustisch vortrefflichen Ort.

Mit Arien Girolamo Frescobaldis sowie Claudio Monteverdis »Quel sguardo sdegnosetto« reisten die beiden Solistinnen durch wahrhaft schöne Gefilde, mit Johann Philipp Kriegers »Die holde Nacht« und Henry Purcells »An Evening Hymn on a Ground«, der den Abend beenden durfte, fand das Konzert aber auch kontemplative Ruhemomente.

Wirkliche Ruhe für die Seele, das schließt ein, daß diese sich regen darf, selbst wenn das häufig mit Gedanken der Trauer verbunden ist. Nicht nur mit »Den lieben Sonne, Licht und Pracht« aus dem Schemellischen Gesangbuch von Johann Sebastian Bach war dafür Zeit, Raum und Atem.

4. Juni 2020, Wolfram Quellmalz

Die MittwochsMusiken beginnen bei freiem Eintritt jeweils 18:00 Uhr. Um Spenden, welche ausschließlich den freiberuflichen Künstlern zugute kommen, wird gebeten. Am kommenden Mittwoch (10. Juni) ist das Klaviertrio »Dresdner Klang« (Alexander Teichmann / Violine, Alexander Will / Violoncello und Andreas Hecker / Klavier) zu Gast. Sie spielen Musik von Max Bruch und Joseph Haydn.

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