Bodecker & Neander im Societaetstheater Dresden

»Maskenball« ist ein Fest der Pantomime

Grafik Bodecker & Neander_MaskenBall_Grafik Vanessa Vérillon
Veranstaltungsplakat zu »Maskenball« von Vanessa Vérillon

Der Garten hinter dem Haus gehört derzeit zu den Spielorten des Societaetstheater. Noch bis Sonntag sind hier Bodecker & Neander zu erleben, zwei der oder vielmehr die  derzeit wohl besten Künstler ihrer Zunft. Beide – der in Schwerin geborene Wolfram von Bodecker und Alexander Neander aus Paris – vervollkommneten ihre Kunst an der École Internationale de Mimodrame de Paris von Marcel Marceau, wo sie nicht nur jeweils eines der raren Diplome erhielten, sondern mit dem Meister der Pantomime (1923 bis 2007) noch gemeinsam in dessen Produktionen auftraten.

Seit 1996 sind sie gemeinsam unterwegs. Mit ihren besten Nummern waren sie (zum zwanzigjährigen Jubiläum) im Zirkus Sarrasani zu Gast, 2017 gab es einen Ausflug zu den Silbermanntagen, wo sie gemeinsam mit dem Freiberger Domorganisten Albrecht Koch »Geschichten ohne Worte« erzählten.

Bodecker und Neander_Foto Juliane Hanka
Bodecker & Neander im Garten des Societaetstheaters Dresden, Photo: Juliane Hanka

Keine Worte, aber Musik, gibt es auch im »Maskenball«, dem aktuellen Programm. Ob klassisch oder mit französischen Chansons – für den guten Ton ist gesorgt, und zwar wesentlich. Denn die Musik begleitet nicht nur, sie ist Teil der Geschichte, die oftmals exakt choreographiert abläuft und Geräusche bereitstellt, wie beim Tanz der Regentropfen, die durchs schützende Dach dringen (natürlich sind weder Regen noch Dach wirklich da.)

Der Maskenball beginnt mit jenen Masken, die wir derzeit alle tragen – nur keiner so wie Bodecker & Neander. Als die Masken dann endlich, bunt und vielfach wie eine Wimpelkette, aufgehängt sind, geht es richtig los. Ob beim Malen bzw. Portraitieren, vor dem Fernseher oder in Erwartung des Paketboten – die Szenen entwickeln sich stets über mehrere Bilder hinaus, verharren einmal, vertiefen sich, lassen stille Momente zu. Obwohl beide Pantomimen Gegenstücke sind, verfallen sie niemals in eine Zweidimensionalität, finden individuell-typische Ansätze, was sich spätestens offenbart, wenn beide ihre Masken tauschen.

Mimik und Choreographie (wie in einem phantastischen Säbeltanz zu Peter Tschaikowskys Violinkonzert) können mitreißen, bezaubern, lassen erkennen und wiedererkennen. Wenn der frohgemute Bodecker seinen Partner brüskiert oder reizt – selbstverständlich ohne sich dessen bewußt zu werden – und Neander die Gesichtszüge entgleisen, geschieht das in genußvoller Zeitlupe – wann kann man solche Momente schon derart auskosten? Es geht aber auch ganz schnell, wenn an der Börse Aktien verkauft werden müssen oder wenn die Rollen von Polizist und Delinquent verschmelzen …

Auch wenn Pantomime heute nicht mehr heißt, immer weiß geschminkt und mit unveränderlichem Kostüm aufzutreten, bleibt sie – so gelebt wie bei Bodecker & Neander – doch stets klassisch. Perfekte, präzise Abläufe und pointierte Geschichten ohne Worte begeistern nach wie vor.

14. August 2020, Wolfram Quellmalz

Noch an drei Abenden sind Bodecker & Neander in Dresden zu erleben, danach gibt es Gastspiele in Freiberg (8. August) und Berlin (21. August). Im September kommen Bodecker & Neander noch einmal mit dem Programm »Déja vu« nach Dresden (Flussaufwärts, Laubegast).

Wir kehren zurück in die Normalität – langsam und schrittweise. Die Folgen von Corona sind noch nicht abzusehen, selbst wenn die Zeichen momentan auf »Besserung« stehen. Die Neuen (musikalischen) Blätter freuen sich daher über Unterstützung, um auch künftig von Veranstaltungen, von neuen Büchern und CDs sowie Projekten aus der Kultur berichten zu können. Wenn Sie für den Erhalt der Zeitschrift spenden wollen, – wir sind für jeden Betrag dankbar!

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