Letzter Auftritt der Moritzburg Festival Akademie

Musikfest glücklich und bei gutem Wetter beendet

Festivalleiter Jan Vogler konnte am Wochenende mehr als zufrieden feststellen: Daß das Moritzburg Festival mit geändertem Konzept und viel Improvisation so gut funktionieren würde, damit hatte niemand gerechnet. Der Erfolg habe sich gleich beim verregneten Eröffnungskonzert gezeigt – das Publikum wollte auch unter diesen Bedingungen ein Konzert hören, niemand ging nach Hause. Man dürfe nicht vergessen, sagte Jan Vogler im Pausengespräch, daß das Festival nach über 25 Jahren ruhig mal eine kleine Erfrischung verträgt. Den opulenten und eindrucksvollen Schauplatz der Schloßterrasse möchte man vielleicht gar nicht mehr missen, und so werden auch im nächsten Jahr bestimmt Konzerte draußen stattfinden.

Am deutlichsten spürbar waren die Improvisationen bei der Akademie gewesen – nur sechzehn junge Musiker konnten in diesem Jahr kommen. Wenn unter denen zum Beispiel eine von zwei Bratschistinnen ausfällt, kann das die Akademie nicht mehr ausgleichen. Wie schon zur »Langen Nacht« sprang Sindy Mohamed ein und füllte die Lücke aus. Später dann, für Peter Tschaikowskys Serenade C-Dur, mischten sich noch Kai Vogler, Mira Wang und Henri Demarquette vom Festival ins Tutti der Akademisten – die Stimmführerpositionen blieben aber dem Nachwuchs vorbehalten. Das Orchester aufzustocken, war eine richtige und notwendige Maßnahme, denn Tschaikowsky braucht einen großen Klang und Homogenität, und der läßt sich mit je drei Geigen, zwei Violen etc. nun einmal nicht erreichen, wie noch am Vortag in der Probe und rein akademischer Besetzung zu erkennen war.

Begonnen hatte der Sonnabend mit Leopold Mozarts »Kindersinfonie«. Ganz dem Motto »Spaß ist eine ernsthafte Sache« gemäß durfte sie heiter sein, wofür die Bläser jene Kinderinstrumente übernommen hatten, die ratschen, pfeifen und trommeln. Und die durften auch einmal heftig gerührt oder »quer geblasen« sein – der Kuckuck des zweiten Satzes klang etwas kindlich-zaghaft und irgendwie schräg. Damit dies aber vergnüglich blieb und nicht »verunglückte«, mußte die Qualität natürlich stimmen, sonst ließe sich mit solchen Späßen gar nicht spielen.

Wie hoch die Qualität der Akademie war, zeigte sich in Benjamin Brittens Sinfonietta Nr. 1. Unter der Leitung von Chefdirigent Josep Caballé Domenech entfaltete sich das betörende Stück mit warmen, differenzierten Farbschattierungen, behielt selbst mit Verve gespielt einen luziden Charakter, der zerbrechlichen Klang ebenso zuließ wie ein geschmeidiges Duett der Violinen (Matthew Chin und Carolin Grün). Immer wieder ergaben sich auch aus einem Tremolo oder dynamischer Betonung gewachsene Belebungen.

Nach diesem orchestralen Höhepunkt mit dem Gesang der Violinen durfte sich das Publikum über eine solistische Glanzleistung freuen: Ralph Vaughan Williams »The Lark Ascending« mit Bomsori Kim. Die vielfach preisgekrönte Geigerin zauberte das lyrisch-romantische Stück auf die Schloßterrasse, wußte Kantilenen zu gestalten und die Lerche mit einem zarten, aber weit tragfähigen Ton auszustatten. Nach Brittens Lebhaftigkeit lag die Aufgabe des Orchesters nun gerade darin, mit ruhigen, verharrenden Tönen fast unscheinbar (aber unverzichtbar) einen klangvollen Rahmen zu schaffen, was Josep Caballé Domenech meisterlich gelang.

Nach Tschaikowskys Serenade gab es einen Abschluß, der den Auftakt schon in sich trug: Johann Strauß‘ »Kaiserwalzer« nach der Fassung für Streichquartett und Bläser von Arnold Schönberg. An Spielfreude mangelte es ebensowenig wie an solcher zum Hören, wofür es noch Manuel de Fallas »Feuertanz« aus dem Ballett »Liebeszauber« gab. Daß eine Fortsetzung folgt, kann man nach dem letztlich glücklichen Jahrgang 2020 nur hoffen!

16. August 2020, Wolfram Quellmalz

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