Zeitvermählte Sommerklänge mit dem ensemble tresonare

Programm in der Martin-Luther-Kirche blieb leider unausgewogen

Im Rahmen der HINhören-Konzerte luden Juliane Gilbert (Violoncello und Orgel), Clemens Heidrich (Baßbariton und Rezitation) sowie Kantorin Elke Voigt (Sopran und Orgel) am Freitagabend in die Martin-Luther-Kirche der Dresdner Neustadt. Eine gute Stunde weltlicher und sakraler Werke, »zeitvermählte Sommerklänge«, die zum Verweilen einluden, zum Innehalten, zur inneren Einkehr – genau das richtige, um nach einer langen und heißen Woche zur Ruhe zu finden. Die Werkfolge war lose um das Thema gewoben, also nicht streng programmatisch.

Das war mitunter erfrischend und berührend, hielt es doch so manche Überraschung und das eine oder andere Kleinod bereit, wie Claudio Monteverdis Laudate Dominum. Monteverdi, einer der Meister der Polyphonie des 17. Jahrhunderts, erreicht auch in einer Psalmvertonung für Solostimme und Continuo eine wohltuende Tiefe, vom farbigen Baßbariton Clemens Heidrichs emphatisch ausgestalten. In Monteverdis Venite, venite sowie zwei Ausschnitten aus Heinrich Schütz‘ Kleinen Geistlichen Konzerten (»Herr, ich hoffe darauf« aus SWV 312 und »Ihr Heiligen, lobsingt dem Herrn« / SWV 311) übernahm Elke Voigt den Sopranpart, Juliane Gilbert begleitete auf der Orgel.

Während man diese Werke aus der Alten-Musik-Szene kennt, sind viele der Kompositionen Jean Langlais abseits dessen Œuvres für Orgel weit weniger erschlossen. Insofern waren sein Gloria und das Agnus Dei aus der Missa in simplicitate eine Bereicherung. Eine Entdeckung auf der großen Orgel gab es ebenso: William Byrds Galliarde. Selten hört man Werke des Komponisten, und dann meist auf kleinen Instrumenten wie dem Cembalo.

Dem ungetrübten Genuß abträglich waren jedoch die Vielfalt, die Fülle und die damit verbundenen Sprünge des Programms, seine Unausgewogenheit. Statt Ruhe und Halt gab es lose Einzelwerke. So begann der Abend mit einem Sortie (eigentlich der Auszug, also Abschluß einer Katholischen Messe) von César Franck, im Mittelteil wurden alle (!) fünfzehn Strophen von »Geh aus mein Herz und suche Freud« nebst Variationen, Improvisationen und eingeschobenen Rezitationen geboten – ein Spannungsbogen ergab sich damit nicht, allenfalls Ermattung der Zuhörer, und vielleicht auch der Künstler. So meinte Clemens Heidrich nach der letzten Strophe etwas flapsig »geschafft«.

Dabei bewahrheitete sich, daß selbst ein sehr guter Sänger und ausgezeichneter Interpret noch lange kein guter Rezitator gelesener Texte ist, nur weil er über eine schöne, kräftige Stimme verfügt. Die von Clemens Heidrich ausgewählten Zeilen Hermann Hesses, welche thematisch (Orgelspiel, Nachtgedanken etc.) absolut paßten, waren trotz guter Diktion schlecht verständlich, da viel zu schnell gelesen. Nicht zuletzt kamen die Pausen zwischen den Stücken im wahrsten Sinne des Wortes zu kurz.

Zudem brachten alle drei Ensemblemitglieder unterschiedliche Voraussetzungen hinsichtlich des Gesangs mit und begegneten sich nicht auf einem Niveau, was mit zunehmender Länge des Abends immer spürbarer wurde.

Somit fiel das Fazit nicht befriedigend aus – eine schöne Idee, aber das Konzept sollte dringend überarbeitet werden.

22. August 2020, Wolfram Quellmalz

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