Mit Schubert

Dresdner Wagner-Verband nimmt reges Leben mit einem Kammerkonzert wieder auf

Seit dem Wochenende geht es auch für den Richard-Wagner-Verband Dresden aufwärts: mit einem Treffen der Vereinsmitglieder und einem Kammerkonzert im ehemaligen Jagdschloß Graupe, den heutigen Richard-Wagner-Stätten, wurde aus dem kulturellen Stillstand wieder ein kulturelles Leben. Nicht nur Mitgliederversammlungen und gemeinsame Feste sollen fortgesetzt werden, auch Ausflüge und nicht zuletzt die Förderung von Stipendiaten – vorerst ist die Planung selbstverständlich vorsichtig.

Zum frohen Auftakt war der Festsaal im Schloß bis auf den letzten Platz – soweit dies derzeit möglich ist – besetzt. Prof. Wolfgang Hentrich, Konzertmeister der Dresdner Philharmonie, war mit seinen Orchesterkollegen Annegret Teichmann (Violine), Beate Müller (Viola) und Matthias Bräutigam (Violoncello) gekommen, zum Quartett gesellte sich noch Sofia von Freydorf, ebenfalls Violoncello, eine Stipendiatin des Wagner-Verbandes aus dem Jahrgang 2018. Und was spielt ein Streichquintett mit zwei Celli? Natürlich Schubert. Klar, Boccherini hat die Gattung geprägt, auch Franz Lachner oder George Onslow leisteten Beiträge, doch für solche Entdeckungen wird wohl ein andermal Zeit sein, für diesen Anlaß war das Krönungsquintett, das Königsstück der Gattung, gerade recht.

Tags darauf spielten es die fünf übrigens im Kammerkonzert der Philharmonie im großen Saal des Dresdner Kulturpalastes – so schön er klingt, für ein Quintett ist der Festsaal doch die passendere Umgebung! Und noch ein Plus hatten die Verbandsmitglieder, denn neben dem (nicht nur in zeitlicher Hinsicht) großen Quintett gab es vom Quartett der Philharmoniker vorab noch wechselvolle Deutsche Tänze als Extra.

Nach dieser beschwingten Einleitung übernahm Sofia von Freydorf das zweite Cello. Diesem hat Schubert übrigens eine wichtige Rolle zugeschrieben, es unterstützt also nicht nur oder »rundet« den Klang ab. Dies läßt sich sehr gut ablesen, wenn das Quintett (wie meist) in der Sitzordnung Violine 1, Violine 2, Viola, Violoncello 1 und Violoncello 2 Aufstellung nimmt. Gerade im zweiten Satz, dem schwebenden, suggestiven Adagio offenbart sich dann eine Symmetrie: Während die »inneren« Streicher mit ostinatem Spiel eine beinahe hypnotische Wirkung erzielen, sind Violine 1 und Violoncello 2 an den Rändern exponiert hervorgehoben: die Violine führt natürlich in der Melodie, das Cello setzt dieser zunächst einen bestimmenden Puls entgegen, später führt es die Gegenmelodie.

Sofia von Freydorf fügte sich ins Quintett, als gehörte sie schon lange dazu und setzte beherzt Akzente, mehr sogar als die Viola, deren Puls (welcher dem des Cellos vorangeht) nicht so lebensspendend kräftig klang.

Ja, lebensspendend, denn der »Melancholiker« und kranke Schubert war immer eines: dem Leben zugewandt. Der Wagner-Verband ist dies auch, demnächst wieder mit einem größeren Programm.

21. Juni 2021, Wolfram Quellmalz

Mehr unter www.richard-wagner-verband-dresden.de sowie www.wagnerstaetten.de/.

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