Manchmal ist Applaus erlaubt

Nach 238 Tagen wieder eine Kreuzchorvesper

Natürlich hat der Kreuzchor nach seinem letzten öffentlichen Auftritt, der Vesper am 14. November mit einer knappen, aber stimmigen Fassung des Deutschen Requiems, weiter existiert. In der Schule, im Alumnat und zu Hause, auf virtuellen Plattformen, in Einzel- und Gruppenproben – gerade im Moment arbeitet er intensiv mit den Kandidaten für die Neubesetzung des Kreuzkantorenamtes ab 2022 zusammen. Den ersten öffentlichen Auftritt seit einem dreiviertel Jahr gab es jedoch am Sonnabend in der Dresdner Kreuzkirche. Der Publikumsandrang war – absehbar – enorm.

Es war gleichzeitig der letzte Auftritt des Chores hier vor der Sommerpause und mit den aktuellen Abiturienten. Wenn die Kruzianer im September zurückkehren, werden sie bereits um einen Jahrgang »verschoben« sein. Eine besondere Vesper war es auch wegen der vielen ehemaligen Kruzianer unter den Besuchern und wegen der Vergabe des Rudolf-Mauersberger-Stipendiums. Mit ihm wird seit 1991 ein besonders herausragender Sänger geehrt. Das Stipendium ist jedoch nicht nur Auszeichnung, es dient auch der Förderung. Viele der bisherigen Preisträger haben bereits ihren Weg in die Welt der Musik beschritten, seien es Sänger wie Sebastian Wartig, Tobias Berndt und Tobias Hunger oder (Chor-)Dirigenten wie Karl Hänsel, Hansjörg Albrecht und Ekkehard Stier.

In diesem Jahr hatte Kreuzkantor Roderich Kreile Samuel Maschke vorgeschlagen, der die Auszeichnung im Rahmen der Vesper von Prof. Dr. Reinhold Uhlig, dem Vorsitzenden des Stiftungsvorstandes der Stiftung Dresdner Kreuzchor, entgegennehmen konnte. Samuel Maschke überzeugte als Dirigent in Johann Sebastian Bachs Motette »Jesu, meine Freude«. Das Werk hat nicht nur viele Strophen, es weist zudem eine beachtliche Komplexität auf. Samuel Maschke fand einen ganz unmittelbaren Zugang zu seinen Kameraden, die er offensichtlich zu begeistern wußte. Außerdem gelang ihm eine erstaunlich geschlossene Darbietung, die auf Fermaten und Betonungen ebenso Rücksicht nahm wie er den Spannungsbogen erhielt. Daß Samuel Maschke auch singen kann, bewies er als Solist mit Cantate Domino von Francesco Cavalli (Orgel: Roderich Kreile). Einfühlsam, aber ohne übertriebene Emphase brachte er die Wirkung durch Konzentration auf das Wort mit Schlichtheit hervor – dafür gab es ausnahmsweise einmal Applaus in der Vesper.

Kreuzorganist Holger Gehring hatte den Einzug »Denn er hat seinen Engeln befohlen« gestaltet. Felix Mendelssohns Motette schloß sich als erster Programmpunkt direkt an. Die Soprane und Altstimmen allein klangen zunächst noch etwas verzagt, mag sein, daß ihnen nach so langer Pause mit der Praxis einfach die Sicherheit gefehlt hat. Diese stellte sich aber schnell wieder ein. Mit Heinrich Schütz (»Ich bin ein rechter Weinstock«) und Johann Bach (»Unser Leben ist ein Schatten«) gehörten Stücke aus dem Kernrepertoire des Chores ebenso zur Vesper wie Oskar Wermanns vertontes Glaubensbekenntnis (Vater unser), das diese Grenze schon erweiterte.

Zum Ende des Schuljahres wird der Kreuzchor noch einmal gefordert. Neben der Mitwirkung am Verfahren zur Findung eines neuen Kreuzkantors wartet noch ein feierlicher Abschluß auf ihn: eine Gastspielreise am Ende des Monats mit Auftritten in Deutschland (unter anderen im Rahmen des mdr Musiksommers) und bis nach Dänemark.

11. Juli 2021, Wolfram Quellmalz

Am kommenden Sonnabend wird Britta Schwarz im Rahmen der Kreuzvesper »Gesänge der Romantik« zu erleben sein. Weitere Informationen unter: http://www.kreuzkirche-dresden.de

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