»Auf weitem Raum«

Klassik und Pop trafen im letzten »Orgel-plus«-Konzert in Altkaditz zusammen – Raum war auch unter Dresdens ältester Linde

Der Spätsommer bringt – finde ich – mit die schönsten, intensivsten (leidenschaftlichsten) Farben hervor. Auch ist seine Hitze erträglicher, die Abende sind bereits kühler. Sie kommen aber auch früher – ganz unverkennbar gehört eine gewisse Wehmut zum August, die mit Ausklang, mit Abschied vom Sommer, von den Ferien verbunden ist. Doch Abschiede kann man eben ausklingend feiern.

So wie am Freitag – wen kümmerte schon, ob es ein 12., 13. oder 14. war? Zum dritten und letzten Sommerkonzert kamen wieder viele Menschen in die Emmauskirche, diesmal traf die Orgel, an welcher der neue hauptamtliche Kirchenmusiker von St.-Marien Pirna, Florian Mauersberger, saß, auf das Plus der Posaune (Mauersbergers Schulkamerad Robert Pfretzschner, heute Gymnasiallehrer für Musik und Geschichte).

Das Programm der beiden Musiker war ausgesprochen gemischt und reichte von Pop- über Filmmusik bis zu klassischen Werken. In solch direkter Gegenüberstellung zeigen sich natürlich Qualitätsunterschiede – Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge a-Moll (BWV 543) markierte einen vereinnahmenden Gipfelpunkt im Programm – jedoch konnte man sich (ausklingend) auch ganz kontemplativ der Musik hingeben, sich von Motiven tragen lasen …

… und sich zurückversetzt fühlen. Ja, der Rezensent bekennt, in seiner Jugend einmal eine Billy-Joel-Phase gehabt zu haben. »And so it goes«, »She’s always a woman« und »Lullaby« weckte insofern Erinnerungen. Solche ließ sich auch in der Filmmusik zu »Cloud Atlas« finden. »When you wish« aus dem berühmten Walt-Disnay-Film »Pinocchio« von 1940, geschrieben von Leigh Harline und Ned Washington, ist längst selbst ein Klassiker.

Florian Mauersberger fand in der 1887 geschaffenen Jehmlich-Orgel der Emmauskirche ein Instrument, das ihn wandelbar in die verschiedenen Sphären gleiten ließ. Robert Pfretzschner konnte dem mit der Posaune kantable Elemente hinzufügen, aber auch – mit und ohne Dämpfer – leise Töne beimischen. Insofern fügte sich auch eine Improvisation an der Orgel, die vorab das folgende Stück (zu »Cloud Atlas«)  aufgriff.

Kaum weniger wichtig als das Konzert ist in Altkaditz immer das nachträgliche Beisammensein. Das Wetter spielte dabei, unter der alten Linde zu sitzen, prächtig mit. Hier ließ sich zurück- – was man zuletzt erlebt, wie man den Sommer verbracht hatte – und ausblicken – was demnächst alles auf dem Programm stünde, auch schon (nach so viel Entbehrungen der letzten Monate), daß man sich schon jetzt aufs nächste Jahr freue – es vergeht doch so schnell!

14. August 2021, Wolfram Quellmalz

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