Die längste Nacht in Moritzburg

Moritzburg Festival Akademie stellt sich mit eindrucksvollem Programm vor

Es war nach dem Picknick im Park von Schloß Proschwitz das zweite lange Kammerkonzert mit den Akademistinnen und Akademisten des Moritzburg Festivals. Morgen werden sie ihre Auftritte noch in Orchesterformation im Dresdner Kulturpalast abschließen.

Sechzehn Werke standen am Donnerstag auf dem Programm. Dabei war die Schnittmenge mit den bereits in Proschwitz präsentierten Stücken diesmal klein – die Vielfalt also groß. Nun griff auch Giulia Contaldo in die Tasten – beim Picknick hatte es noch keinen Pianisten gegeben. Mit Felicia Bulenda (Klarinette) und Sevgi Varol (Fagott) präsentierte sie gleich ein ganz besonderes, ungewöhnliches Werk: Mikhail Glinkas »Trio Pathétique«, das mit den drei Akademistinnen aber auch »Trio éloquence« hätte heißen dürfen, so gut artikulierten sie an ihren Instrumenten. Der Ungewöhnlichkeiten gab es jedoch noch mehr, wie Peter Schats Capriccioso aus den Twee stukken Opus 7. Mit Violine (Jelena Krmpot), Flöte (Inês Pinto), Trompete (Felix Mehlinger) und Schlagwerken (Eduardo Machado) weicht es in der Besetzung erheblich von allem ab, was man sonst geboten bekommt. Zum Einhören in das modernste Stück des Abends hätte es da ruhig noch mehr sein können, auf das zweite der Twee stukken wären sicher viele neugierig gewesen.

Unter den Quartettformationen konnten viele bereits überzeugen, wenn nicht beeindrucken. Wie Elija La Bonté und Birk Landaas (Violinen), Monika Romanowska (Viola) und Tamir Naaman-Pery (Violoncello), einem der Vielspieler des Abends. Sie hatten mit dem Allegro non troppo aus Wolfgang Amadé Mozarts Streichquartett Nr. 16 bewiesen, daß sie »non troppo« (nicht sehr viel) fein austariert umsetzen können. Clara Heise (Violine) und Birk Landaas, Suhyun Kim (Viola) und Tamir Naaman-Pery vollführten in Alexander Borodins zweitem Streichquartett (Allegro moderato) eine Steigerung, der sie mit Effekten des Aufblühens großen Reiz verliehen.

Besonderen Zauber verbreiteten aber auch die größeren Ensembles, wie Charles Gounods »Petite Symphonie«,  Carl Nielsens märchenhaftes Serenata in vano und – wieder einmal – Dmitri Schostakowitschs Zwei Oktettsätze Opus 11 – mit dieser Leistung hätten Stephanie Kemna, Sophia Maiwald, Johanna Tüscher und Alexandra Tsiokou (Violinen), Philipp Sussmann (Viola) und Suhyun Kim sowie Benjamin Lund Tomter und Alice Abram (Violoncello) sicher gute Chancen auf einen Preis gehabt, doch in diesem Jahr mußten Publikum und Akademisten noch einmal auf die Wahl verzichten – hoffen wir auf Besserung!

Chancen hätten sicher auch Dana Bostedt und Marina Alba López (Violinen), Marija Seselgyte (Viola), Tamir Naaman-Pery sowie GyuNam Kim (Kontrabaß), Myriam Colliou (Trompete) und Giulia Contaldo gehabt, die in Camille Saint-Saëns‘ Septett Opus 34 einen kleinen Karneval ausmalten – Myriam Colliou begeisterte über dies mit blitzsauberer Tonfärbung und feinster Phrasierung.

Und da waren natürlich noch die Werke von Bohuslav Martinů – seine Serenade paßte nun auch gut zur Tageszeit, sein turbulentes »La revue de cuisine« (»Küchenreveu«, H. 161), eine Art Tanzpersiflage, ein permanentes Schwirren und Gaukeln, war ein Abschluß mit Knalleffekt.

Nun darf man gespannt sein, wie morgen Beethovens Tripelkonzert und Robert Schumanns zweite Sinfonie klingen mögen.

20. August 2021, Wolfram Quellmalz

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