Trauer verarbeiten

Konzert der Johanniter in der Dresdner Frauenkirche

Das Programm »Klang der Hoffnung« war gestern nicht nur eine thematische Fassung des Programms, sondern hatte einen ganz konkreten Hintergrund: Trauer und Verzweiflung setzen Menschen zu, sie zu verarbeiten bedarf es Hilfe und Unterstützung. Oft stellt sich mit dem Verlust eines geliebten Menschen die Frage »Wie weiter?« – Eine Neuorientierung ist unausweichlich, nicht selten geht es um nicht weniger als eine Richtungsänderung. Für Kinder, Jugendliche und Familien ist dies eine enorme Belastung.

In diesem Sinne trafen die Organisation der Johanniter und das Haus der Frauenkirche Dresden zusammen. Die Frauenkirche habe ihre Türen, so Maria Noth, die Stiftungsvorsitzende des Hauses, »sehr, sehr gern« für diesen Anlaß geöffnet. Schließlich sei die Frauenkirche wie kaum ein anderer Ort ein Zeichen dafür, wie aus Zerstörung und Verlust, einem Trümmerfeld, wieder etwas entstehen kann. Damit sei sie nicht nur für Dresden prägend, sondern für die gesamte Region Sachsens.

Aus Sicht der Johanniter ging es zudem um eine ganz konkrete Hilfe, die Arbeit des Kinder- und Jugendtrauerzentrums Lacrima. Koordinator Robert Dietsche berichtete über dessen Arbeit und Erfahrungen und warb um weitere Unterstützer. »Unterstützer« sind nicht nur Geld- sondern auch »Zeitspender«, wie Robert Dietsche sie nannte. Gemeint sind die ehrenamtlichen Helfer, ohne die eine derartige, umfangreiche Arbeit oft nicht geleistet werden kann.

Acht ehrenamtliche Seelsorger unterstützen derzeit in der Frauenkirche die Seelsorge und stehen von Montag bis Sonnabend zwischen 14:00 und 16:00 Uhr zur Verfügung – Frauenkirchenpfarrerin Angelika Behnke erinnerte, daß die Seelsorge der Dresdner Frauenkirche gerne auf weitere »Schultern« verteilt werden soll. In beiden Fällen, Johanniter wie Frauenkirche, stehen Interessierten Ansprechpartner zur Verfügung, die über die Umfang der Aufgaben und die notwendige Vorbereitung bzw. Ausbildung Auskunft geben (zu finden auch über die Internetadressen unten).

Das musikalische Programm hatte der Dresdner Geiger Florian Mayer begonnen, der mit Improvisationen nach Bach für eine Einstimmung gesorgt hatte. Das ursprünglich geplante Trio Mystère war durch Franziska Pietsch (Violine) und Maki Hayashida (Klavier) vertreten – Bratschistin Sophia Reuter hatte sich vor zwei Tagen verletzt und konnte nicht spielen.

Somit mußte auch das Programm umgestellt werden. Vor Robert Schumanns Sonate für Violine und Klavier Nr. 2, der sogenannte Große Sonate, hatten Franziska Pietsch und Maki Hayashida Ludwig van Beethovens »Frühlingssonate« eingefügt – ein Stück, daß mit dem symbolischen Frühling dem Thema »Hoffnung« entspricht. Mehr als das: die Sonate schien sich aufzubäumen, nicht nur gegen den Winter oder ein Schicksal, sondern auch, weil sie nach etwas strebte, nach oben, zum Licht, einem Ziel entgegen – aus der (manchmal stillen) Hoffnung wurde dabei schon mehr. Die Hoffnung wuchs zu Zuversicht, welche das aktivere, optimistische Streben einschließt. Auch in Robert Schumanns Großer Sonate liegt sowohl das Ringen wie das Leben – Franziska Pietsch und Maki Hayashida unterstrichen mit Vehemenz den positiven Impetus.

7. September 2021, Wolfram Quellmalz

https://www.johanniter.de/juh/lv-sn/rv-dresden/projekte/lacrima-dresden/

https://www.frauenkirche-dresden.de/seelsorge/

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