Ein melodramatischer Komponist

Alena Hönigová bei den Batzdorfer Barockfestspielen

Es sind die 30. Barockfestspiele, dazu feiert der Ort Batzdorf den 750. Jahrestag seiner ersten urkundlichen Erwähnung. Gestern abend stand noch ein Jubilar auf dem Programm: Georg Anton Benda (1722 bis 1795). Drei seiner älteren Brüder waren bereits im Dienst des Preußischen Hofes gewesen, auch Georg Anton lernte den Hof kennen und traf hier auf Friedrich II. und dessen Flötenlehrer Johann Joachim Quantz sowie die Brüder Johann Gottlieb und Carl Heinrich Graun, aber auch Carl Philipp Emanuel Bach. Obwohl Georg Anton Benda uns heute vor allem als Komponist von Melodramen bekannt ist, finden sich in seinem Œuvre auch andere Gattungsbeiträge. Die tschechische Cembalistin, Musikwissenschaftlerin und -journalistin Alena Hönigová stellte im Festsaal des Batzdorfer Schlosses (bzw. Herrenhauses) seine Werke für Tasteninstrumente vor.

Galant sind sie, stellen die Epoche der Empfindsamkeit musikalisch äußerst eindrucksvoll dar und zeugen nicht zuletzt von einer Periode, in der das Cembalo noch längst nicht vom Pianoforte verdrängt wurde – beide Instrumente existierten jahrzehntelang nebeneinander. Auch manche der Sonaten Georg Anton Bendas konnte man sich auf einem Pianoforte vorstellen.

Photos: NMB

Alena Hönigová favorisiert jedoch das Cembalo, vor allem, weil es eine rhythmischere Darstellung ermöglicht. Beindruckend war, wie affektvoll Bendas Musik ist – empfindsam werden dabei zwar Gefühle dargestellt, aber meist im Zusammenhang mit einem Reflektieren und Erinnern statt einer extrovertiert emotionalen Schilderung des augenblicklichen Aufgewühltseins. Das zeigte sich vor allem in zwei Sinfonie bzw. Ouvertüren, Pasticci zu Melodramen, in welchen die Musik eine kommentierende Funktion hat – die Geschichten von Pygmalion und Medea wären für ein großes Drama geeignet (wovon Opernbearbeitungen zeugen), im Melodram, oft nur für wenige Figuren geschrieben, wird dieses indes nicht direkt offenbart, sondern indirekt dargestellt. So öffneten sich unter anderem die Innenwelten einer hin- und hergerissenen Medea.

Kaum weniger spannend waren drei Sonaten und eine Phantasie Georg Anton Bendas. Wiewohl alle in C-Dur oder c-Moll stehend, offenbarten sie in Anlage und Ausprägung eine enorme Vielseitigkeit – sie steht für die Hinwendung der Periode, für ein Öffnen, das weniger prägende Dominanz enthält, sondern viele Spielarten entwickelt und neues aufnimmt.

Mit einer Ausnahme (die Urheberschaft Bendas bei der Phantasie ist zudem nicht gesichert) stammten die Werke aus den Jahren 1780 / 81. Dramaturgisch hatte die Cembalistin die eindrucksvollste und in den Ausmaßen größte (X. / C-Dur) ans Ende gesetzt. Ob Gotha, Sanssouci oder Berlin – ein höfisch aufgeschlossener Klang begleitete den Komponisten, von dem (sieht man allein die Werknummerierungen) wohl noch so manches entdeckt werden darf.

25. August 2022, Wolfram Quellmalz

www.alenahonigova.com

Die Batzdorfer Barockfestspiele erwarten bis zum Abschlußkonzert am kommenden Sonntag ihre Besucher. Weitere Informationen unter: http://www.batzdorfer-schloss.de/30-barockfestspiele/

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