In Liebe sterben

Serenata Johann Adolf Hasses zum Auftakt der 30. Batzdorfer Barockfestspiele

Es ist doch zu schön, einmal auszubrechen und das gängige Opernrepertoire hinter sich oder gar seine Neugier über dessen Genregrenzen hinausschweifen zu lassen. Denn Oper ist nicht allein Schauspiel und Musik, etwas, wofür man aus dem Haus geht und sich unterhalten läßt, man kann in den Formen auch die Gründe und Ansätze finden, warum sich die Oper so entwickelt hat, wie sie heute ist. Oder man staunt einfach, womit man sich früher die Zeit vertrieben hat.

Bilder der Aufführung (Auswahl), Photos: Bettina Zimmermann

Denn es gibt neben (und zwischen) den großen Opern andere Stücke, Intermezzi, dramatische Szenen oder eben Serenate, die unterhielten, einen Stoff aufgriffen, ihre Schöpfer innovativ hervortreten ließen. Oft waren die Werke nicht nur für einen bestimmten Anlaß geschrieben, sondern oft für bestimmte Personen, Musiker und Sänger, die sie aufführen sollten. Es mußten nicht immer Krönungsfeiern und Hochzeiten sein, zu denen die berühmtesten Kastraten sangen, mitunter diente ein Werk einfach der Unterhaltung und Gestaltung eines Beisammenseins in musischer Runde.

Mit der Serenata »Marc’Antonio e Cleopatra« gelang dem jungen Johann Adolf Hasse ein großer Achtungserfolg. Das Stück lebt eher von der Spannung und der Beziehung der beiden Hauptfiguren – Marcus Antonius und Cleopatra – als von einer Handlung. Beider Situation scheint aussichtslos – Marcus Antonius hat gegen Octavian verloren, ein (ehrvoller) Rückzug scheint beiden verwehrt, ihnen bleibt nur der gemeinsame Tod (Suizid).

Was tragisch klingt, ist nichts weniger als ein Gesang der Liebe, eine gegenseitige Versicherung und Bestätigung und schließlich – unabhängig vom tatsächlichen moralischen Fakt – ein Ausweg. Nicht der Tod, die Liebe wird hier besungen! Johann Adolf Hasse gelang ein Stück für zwei Personen, das schöner kaum sein könnte – Marcus Antonius und Cleopatra stehen im Mittelpunkt, ihr Tod (der nicht zur Handlungsebene gehört) ist (nur) ein Schluß (im doppelten Sinn).

Nicht Trauer und Wehklagen also herrschte am Wochenende beim Beginn der 30. Batzdorfer Barockfestspiele, sondern frohe Stimmung. Kein Wunder, wenn einer Frau im Publikum mit dem Schlußton am Sonntag ein »Schade« entfuhr. Aber die Batzdorfer hatten sich auch zwei der schönstmöglichen Stimmen für ihre Aufführung gesichert: Isabell Schicketanz (Sopran) und Julia Böhme (Alt). In abwechselnder Folge – scheinbar regelmäßig – gaben sie sich Wort um Wort, doch die geordnete Struktur hinderte nicht eine emotionale Ausleuchtung. Isabell Schicketanz gab der hellen, funkelnden Stimme Cleopatras auch ein Licht der weisen Entscheidung (so man es in diesem Zusammenhang sehen mag) mit und berührte mit empfindsamer Tiefe, Julia Böhme spielte mit der Schattierung herber Töne, um die geschmeidige, gleichsam verletzliche und schöne Männlichkeit Marcus Antonius‘ zu gestalten.

Die Batzdorfer Hofkapelle als Haus- bzw. Residenzorchester sorgte für eine schlanke (eben Serenata, nicht Oper) Musik, die auf die Leuchtkraft der Streicher setzte, nie zu triumphal oder zu tragisch wurde, sondern vor allem durch Flexibilität (bis hin zum Basso continuo mit / ohne Cembalo) bestach und ganz auf den Gesang ausgerichtet blieb.

Als »Oper mit Live Painting« angekündigt, durfte man gespannt sein, was das Painting betraf. Zuletzt war solches hier und da zu erleben, oft auf großen Bühnen mit einem auffällig agierenden Maler mittendrin – in Batzdorf allerdings nicht. Bettina Zimmermann zeichnete nicht auf der Bühne, sondern hinten im Raum, nur die entstehenden Bilder wurden nach vorn auf eine seitliche Leinwand projiziert. Das gelang besser, als zu vermuten gewesen war, denn das Painting bzw. die Aktion störte nicht die Musik oder den Ablauf, sondern war sozusagen eine visuelle Option. Und genau darin aber fand sich eine zusätzliche, passende Ebene, denn die Bilder illustrierten eben nicht eine Handlung, sondern gaben Hintergrund und Stimmung wieder. Und das sehr gekonnt, denn die in Mischtechnik auf unterschiedlichen, vorbereiteten Hintergründen wachsenden Pyramiden, Schiffe und Figuren waren quasi in Chromatik und ihrem graphischen (teils kalligraphischen) Wert offenbar sorgsam mit der bzw. für die Musik abgestimmt.

Bilder der Aufführung (Auswahl), Photos: Bettina Zimmermann

22. August 2022, Wolfram Quellmalz

Die Bilder von Bettina Zimmermann sind bis zum Ende der Barockfestspiele im Schloß Batzdorf zu sehen und können – sofern sie noch keinen Käufer gefunden haben – erworben werden.

Die Batzdorfer Barockfestspiele erwarten bis zum Abschlußkonzert am kommenden Sonntag ihre Besucher. Weitere Informationen unter: http://www.batzdorfer-schloss.de/30-barockfestspiele/

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