Musicke & Mirth – Musik und fröhlicher Schalk

Gambenduo bei den Batzdorfer Barockfestspielen

Einen ganz besonderen Abend, einen Ausklang des Tages und einen Einklang in die Nacht, bereiteten zu später Stunde am Sonnabend Irene Klein und Jane Achtman mit ihren Gamben – jede hatte gleich zwei mitgebracht. Denn manche Musik wird im Gleichklang gespielt wie im Consort, andere will virtuos herausgeputzt werden – für beide braucht man unterschiedliche Stimmungen.

»Musicke & Mirth – Musik und fröhlicher Schalk« hieß vor 25 Jahren das erste Programm der beiden Gambistinnen mit Musik englischer Komponisten des 16. und 17. Jahrhunderts. Vieles davon, selbst wenn es nur einzelne Sätze waren und keine Suiten, konnte seine Nähe zum Tanz nicht verbergen – oder zum Gesang. Thomas Fords Cate of Bardie ist, wie der Untertilel schon verriet (The Queenes Jig), ein Königinnenlicher Tanz (Jig war ein Springtanz, ursprünglich volkstümlich und von Männern ausgeführt), oder ist das ruhige Schreiten den gekrönten Häuptern eher gemäß, wie in den Pavanen die folgten? Mit Gallarden durfte es dennoch gleich wieder munterer werden. Liedhaft, aufwärtsstrebend waren viele Titel und von großer Leichtigkeit; ohnehin ist der Klang von Gamben unvergleichlich – berührt etwas mehr die Seele als diese Instrumente?

Photos: NMB

Mit Werken von Alfonso Ferrabosco dem Jüngeren, Tobias Hume und Christopher Simpson durchschritten Irene Klein und Jane Achtman eine der interessantesten Musikepochen; rhythmisch schwingend, voller Ruhe und Gelassenheit, zeigten dann noch in verschiedenen Divisions (einer Variationsform), wie virtuos die Viola da Gamba in Szene gesetzt werden kann – wenn man kann!

Die beiden Gambistinnen konnten dies, nicht nur technisch, sie zeigten auch, was es bedeutet, ein Ensemble zu sein. Mit intimer Zweisamkeit und Musik, die zum schönsten gehört, was geschrieben wurde, verzauberten Irene Klein und Jane Achtman die frühen Nachtstunden und sandten – mit fröhlichem Schalk – John Dowland als Zugabe an zwei der Batzdorfer Hausherren. »Damals« (im 16. / 17. Jahrhundert) erzählte Irene Klein, hätte man gestritten, was wichtiger sei: zwei Gamben oder zwei Lauten. Mit dem Lautenstück grüßten sie Stefan Maass und Stephan Raath von der Hofkapelle.

29. August 2022, Wolfram Quellmalz

CD-Tip: Irene Klein, Jane Achtman (Viola da Gamba) »Musicke & Mirth – Feuer und Bravour. Musik für 2 Gamben«, mit Werken von Thomas Ford, Alfonso Ferrabosco II, Tobias Hume und anderen, erschienen bei Raumklang

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