Rosi in der Geisterbahn

Puppentheater feierte Premiere und 70jähriges Bestehen

Am Sonnabend konnte das Theater der Jungen Generation (TJG) gleich doppelt feiern: Denn mit »Rosi in der Geisterbahn« nach Philip Waechters gleichnamigen Bilderbuch feierte nicht nur ein neues Stück Premiere, im Anschluß stießen das Theater und seine Besucher auf ein kleines Jubiläum an. »Klein« ist hier eher als »zwischendurch« gemeint, denn 70 Jahre sind bereits beträchtlich, aber man feiert sie eben (noch) nicht so groß wie die bevorstehende 75. Als Staatliches Puppentheater 1952 gegründet, überstanden Puppen und Betreiber die Wendezeit – lange Jahre spielten sie im »Goldenen Lamm« in der Leipziger Vorstadt. Als es dort nicht mehr ging, wollte man zunächst kooperieren, doch bald wurde daraus eine Fusion – heute gehört das Puppentheater zum »TJG«, in absehbarer Zeit sollen auch die Puppen auf dem Areal am Kraftwerk Mitte untergebracht werden.

Patrick Borck, Ulrike Schuster und Carlo Silvester Duer spielen (mit) Rosi, Photo: Theater der Jungen Generation, © Marco Prill

Im TJG läuft das Puppentheater nicht nebenbei oder als Extra, sondern regelmäßig. Allein im Dezember gibt es drei verschiedene Stücke zu sehen. »Rosi in der Geisterbahn« hatte am Sonnabend Premiere. Hase Rosi wird jede Nacht vom gleichen Alptraum geplagt – Monster versuchen, sie zu fangen und wollen sie vermutlich fressen. Solche wiederkehrende Träume sind ein Grund, zum Therapeuten zu gehen oder ein Fachbuch zu konsultieren – oder man setzt sich selbst mit seinen Ängsten auseinander. Rosi tut das, beginnt eine Monstertherapie, erzählt zunächst ihren Traum und sucht dann Orte auf, wo immer oder zumindest nachts Monster auftauchen, wie im Meer. Sie lernt sich zu wehren und findet Kniffe, die Monster auszutricksen. Spätestens hier setzt die Phantasie ein, denn Monster aus Alpträumen lassen sich besser mit Kreativität als mit den Eingebungen der Ratio bekämpfen – Toastbrot hilft auf jeden Fall, die Ungetüme zu besänftigen!

Gedacht ist das Stück für Kinder ab 4, also für die ganze Familie, und das funktionierte zur Premiere wunderbar, denn Geschichte und Bilder werden phantasievoll präsentiert – für die Kleinen ist es nicht (zu) gruselig, für die Großen nicht zu naiv. Agathe MacQueen hat mit Kostümen und Bühne eine Umgebung geschaffen, die weitaus lebendiger wirkt als die Bilder des Buches. Patrick Borck, Carlo Silvester Duer und Ulrike Schuster spielen die vielen Nebenfiguren und »bedienen« auf offener Bühne die Puppe Rosi, die also verschiedene Prägungen erhält. Das wirkt kein bißchen komisch, sondern sehr glaubwürdig und erzählerisch. Auf animierende Einladungen à la »Seid ihr alle da« hat Regisseurin Julia Sontag verzichtet, bindet das Mitmachen nur da ein, wo es für den Ablauf sinnvoll ist: beim Monsterbauen dürfen die Kinder aussuchen, ob es rote oder blaue Ohren bekommen soll. Das junge Publikum fangen sie auch so spielend ein, so daß Zwischenrufe »Laß Rosi in Ruhe!« (als das größte Monster erscheint) von alleine kommen.

Auf der Bühne verwandelt sich der Rummelwagen der Geisterbahn bald zum Haus, zur Bibliothek, wird Meeresgrund oder Insel. Florian Sievers hat dafür eine Musik und Klänge geschaffen, welche beim Illustrieren der Szene ausmalen helfen, und die Monstervielfalt ist schlicht köstlich – praktisch eine Einladung an kleine Monsterologen, sofern sie sich – wie Rosi – von ihren Ängsten befreien.

4. Dezember 2022, Wolfram Quellmalz

»Rosi in der Geisterbahn«, Puppentheater für Kinder ab 4, Theater der Jungen Generation Dresden.

http://www.tjg-dresden.de

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