Weihnachtsgruß aus Freiberg

Chormusik und Silbermannklang in festlichem Gewand

Rechtzeitig zum Fest hat der Freiberger Domkantor Albrecht Koch eine neue CD »Weihnachten im Freiberger Dom« veröffentlicht. Sie vereinigt die Chöre des Hauses und bindet nicht nur den Klang der großen Silbermann-Orgel ein – die Silberglocke des Freiberger Doms von 1496 darf die Aufnahme eröffnen, während das volle Geläut des Doms für den Abschluß sorgt. Festlicher geht es kaum!

Bedächtig erklingt als erster Titel »Nun komm, der Heiden Heiland« (BWV 659) an der großen Silbermann-Orgel von 1714, als würde mit dem Kommen allmählich die Dunkelheit von Licht durchdrungen. Gleich darauf sorgen die hellen Stimmen der Kurrende für noch mehr Auftrieb: »Nun komm‘ der Heiden Heiland« erklingt in den ersten Versen mit den Kindern der Domkurrende, dann mit dem Domchor. Später ergänzen sich Michael Praetorius‘ »Der Morgenstern ist aufgedrungen« mit dem Chor und anschließend Dieterich Buxtehudes großartiges Choralphantasie »Wie schön leucht uns der Morgenstern« (BuxWV 223). Immer wieder gibt es solche Paarungen und Verkettungen bekannter Lieder und instrumentaler Werke. Das ist nicht allein wechselvoll, es vermittelt den Eindruck, als wohne man einer Adventsvesper im Freiberger Dom bei.

Die gelungene geschlossene Form hat ihre Ursache wohl darin, daß hier ein gemeinsames musikalisches wie liturgisch-thematisches Verständnis aller Beteiligten besteht. So klingen Kurrende und Domchor natürlich unterschiedlich, mit jungen und erwachsenen Stimmen, dennoch gehören sie zusammen und ergänzen sich. Das ist ganz anders, als wenn (wie bei einem Potpourri) ein Konzert mit unterschiedlichen Ensembles bunt zusammengestellt würde.

Das Programm führt durch die Advents- und Weihnachtszeit, sorgt neben festlichen Höhepunkten wie Johann Gottfried Walthers Concerto del Signor Torelli oder Andreas Hammerschmidts »Machet die Tore weit« für Momente des Innehaltens und bietet Platz für kleine Formen: »Vom Himmel hoch, da komm ich her« beginnt mit einem berührenden Knabensolo. Auch die Beiträge der Kurrende künden auf lebendige Weise von einer schönen Tradition, die hier offenbar von ganzem Herzen weitergetragen wird.

Immer wieder gelingen gerade die Lieder mit unterschiedlich besetzten Strophen, wie »Es ist ein Ros entsprungen«, einem der Innehalten-Momente. Oder »Joseph, lieber Joseph mein«, ebenfalls mit einem Knabensolo beginnend, Solisten gibt es aber auch im Domchor. Und schließlich finden alle Beteiligten zusammen: Sethus Calvisius‘ »In dulci jubilo« wird von beiden Chören und einer kleinen Continuogruppe präsentiert, bevor im letzten Vers die große Orgel begleitet. Den strahlend-festlichen Silbermann-Klang gibt es danach noch einmal mit Johann Sebastian Bachs Praeludium und Fuge BWV 541 in G-Dur, einer Tonart, die Christian Friedrich Daniel Schubart unter anderem den Hirtengedichten zugeschrieben hat. Die zweite Kantate in Bachs Weihnachtsoratorium beginnt mit einer Sinfonia oder Pastorale in G-Dur. Das Läuten danach ist kein Abschluß – diese CD werden Sie zu Weihnachten sicher ein paarmal anhören!

Dezember 2022, Wolfram Quellmalz

Freiberger Domchor, Freiberger Domkurrende, Domkantor Albrecht Koch »Weihnachten im Freiberger Dom«, erschienen bei auris subtilis

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