Jubiläumsjahrgang im Silberglanz begonnen

Alte Musik im Kunstgewerbemuseum startete mit einem Gastauftritt

Das Kunstgewerbemuseum Dresden wurde vor 150 Jahren gegründet. Mit einem kleinen Vorlauf war das erste Objekt (Rheinweinglas mit Goldrand) in den Bestand aufgenommen worden. Seitdem werden kunstgewerbliche Gegenstände gesammelt. Nach verschiedenen Umformungen und Wandeln gehört das Museum heute zu den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und ist im Schloß Pillnitz zu Hause, wo – lange Jahre im Wasserpalais, heute im Bergpalais – auch die Konzerte der Alten Musik stattfinden. Denn nach ersten Überlassungen (einer Amati-Bratsche aus dem Bestand der Sächsischen Staatskapelle, sie wird im Juli zu hören sein) alter Instrumente gehört die Sammlung und Pflege derselben seit der Nachkriegszeit zu den Schwerpunkten des Museums. Die beiden kostbarsten Juwelen sind wohl die Cembali von Johann Heinrich Gräbner und Johann Andreas Silbermann. Das Konzert im August, in dem beide Instrumente erklingen, verspricht ein Höhepunkt der Jubiläumssaison zu werden.

Am vorletzten Wochenende wurde die diesjährige Reihe mit einem Festkonzert eröffnet. Dafür wechselte die Reihe einmal den Spielort – nicht das Bergpalais in Pillnitz, sondern die Schloßkapelle im Residenzschloß war Austragungsort.

Das Ensemble Principale auf der Musikempore der Schloßkapelle, Photo: NMB

»Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten!« hieß es dort, wozu unter anderem vier Silbertrompeten und zwei Silberpauken aus dem Museumsbestand gespielt wurden. Die Trompeten, hatte Torsten Pieter Rösler (Objektadministrator und Organisator der Konzertreihe) erklärt, stammten ursprünglich nicht aus der Hofkapelle, sondern von den Gardereitern, die mit Signalen Tageszeremonien ankündigten, die Tafelfolge begleiteten oder – im Feld – militärische Zeichen gaben. Letztere mußten die damaligen Spieler auswendig kennen, denn damit der Feind den Gegner nicht mit gefälschten Signalen manipulieren konnte, war es verboten, Angriffsformeln und ähnliches zu notieren.

Im Konzert erklangen aus den Sammlungen der Hofkapelle und der Gardereiter verschiedene Werke. Claudio Monteverdis »L’Orfeo«-Ouvertüre durfte den Nachmittag beginnen, mit Carl Philipp Emanuel Bach (Marsch für die Arche), Georg Friedrich Händel (Wassermusik, Auszüge), Philipp Jacob Ritter und Michel Richard Delalande (Concert des Trompettes) gab es überwiegend festliche Klänge. Delalandes hatte stellvertretend für eine Tafelmusik (nebst Ansage der aufzutragenden Gänge) gestanden, weil eine Dresdner Tafelmusik leider nicht erhalten ist (unter anderem gingen im Siebenjährigen Krieg wertvolle Notenbestände verloren).

Das Ensemble Principale (Linus Krimphove, Stefan Leitner, Toni Fehse und Sebastian Böhner), Cornelius Altmann (Pauken ) und Florian Mauersberger (Orgel) boten gemeinsam, aber auch einzeln die verschiedenen Titel, Kantor Mauersberger unter anderem ein Beispiel aus dem Orgelbuch von André Raison solo. Selbstverständlich müssen alte Instrumente gehütet und gepflegt werden. Und da Silber leicht anläuft, spielte das Quartett mit Handschuhen.

Louis Richter gehörte einst zu den Gardereitern und hatte später (1913) ein paar der Signale notiert, aus denen der Dresdner Tafelruf erklang. Die verschlungenen musikalischen Wege führten aber auch bis zu Richard Wagner, von dem ebenso zwei Fanfaren gespielt wurden – vielleicht hatte er sie einst für seinen Schwiegervater (Minna Planers Vater war Gardereiter) gedacht?

Nach dem festlichen Auftakt kehrte die Alte Musik im Kunstgewerbemuseum für vier weitere Konzerte ins angestammte Domizil zurück. Am 4. Juli wird mit dem Ensemble Fürsten Musik Barocke Kammermusik aus dem Schranck No. II erklingen, eine Woche später gibt es Italienische Virtuosenmusik des 16. und 17. Jahrhunderts (Juliane Laake / Viola da gamba und Maximilian Ehrhardt / Barockharfe). Am 29. August erklingen dann die zwei Dresdner Cembali, bevor am 19. »Die große Oktave« mit italienischer Cellomusik (Ensemble tiefsaits) den Anschluß bildet.

19. Juni 2026, Wolfram Quellmalz

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