Sächsische Staatskapelle beginnt Saisonabschluß mit dem letzten Kammerabend
Der Reigen der letzten Vorstellungen vor den Ferien hat begonnen. Noch stehen aber ein Sinfoniekonzert und ein Aufführungsabend sowie Opern- und Ballettvorstellungen auf dem Programm. Am Donnerstag gab es mit dem 8. Kammerabend aber den ersten Abschluß.
Die Musiker der Sächsischen Staatskapelle hatten sich dafür mit zwei Gästen am Klavier ungewöhnliche Werke vorgenommen. »Hochsommerlich und leichtfüßig«, wie Astrid von Brück in ihrer Begrüßung ankündigte. Ein wenig Serenade also für das Publikum, erneut bis in den vierten Rang der Semperoper. Der Hinweis, zwischen den Sätzen nicht zu klatschen, entfaltet aber leider nicht immer die gewünschte Wirkung. Zudem sollte man wohl die Bitte, Handys festzuhalten, damit sie nicht polternd zu Boden fallen, hinzufügen.
Dabei sind gerade solche Abende voller Musikentdeckungen und mit einem gemischten Publikum aus Anrechtsinhabern, gelegentlichen Musikfreunden und neugierigen Besuchern, die das Haus einmal »in Aktion« erleben wollen, doch wertvoll!
Für den Entdeckergaumen bereiteten Yuki Manuela Janke und Elea Nick (Violinen), Titus Maack (Violoncello) und Henning Stangl (Kontrabaß) zunächst eine Sonate von Gioachino Rossini zu. Aus der Serie a quattro gab es diesmal die Nr. 3 in C-Dur zu kosten – wie in den anderen Fällen wurde das Stück nicht nur wegen seiner Ungewöhnlichkeit und Ausgewogenheit goutiert, sondern zeigte den berühmten Opernkomponisten in seinen Jugendjahren von einer ebenso experimentierfreudigen wie treffsicheren Seite. Eigentlich schade, daß er in dieser Richtung später nicht mehr hinzugefügt hat!

So wie sich manche Opernwerke von Rossini und Mozart im Gestus, in der Frische und im Witz nahestehen, so treffend ergänzte das Quintett für Bläser und Klavier von Wolfgang Amadé Mozart in Es-Dur (KV 452) Rossinis Sonate. Eine erforderliche Qualität war in beiden Fällen die Einigkeit des Ensembles. Natürlich nicht nur – Rossini läßt gerade in den Variationen des Moderato die Stimmen hervortreten. Tragend im Andante dagegen war ein hinreißend verschmolzenes Piano der vier Streicher.
In Mozarts Quintett ist der Ensemblecharakter noch prägender, dichter, wovon nicht zuletzt viele Bearbeitungen des Werkes, von Streichquartettfassungen bis zum Nonett, zeugen. Die Konzertaufführung stand gleichzeitig im Licht von Anfang und Abschied – Roland Krüger (Klavier) und Julius Rönnebeck (Horn) hatten sich vor vielen Jahren bei Jugend musiziert kennengelernt und spielten jetzt wieder einmal zusammen. Für Andreas Börtitz (Fagott) war es ein kleiner Abschied, denn mit der Sommerpause wird seine Dienstzeit bei der Staatskapelle enden. Noch aber stand er mit Volker Hanemann (Oboe) und Christian Dollfuß (Klarinette) auf der Bühne. Während das Klavier immer wieder einen solistischen, fast konzertierenden Part übernahm, war das Werk vor allem vom gemeinsamen Fluß und melodiösen Umformungen geprägt. So etwas sollte es am Ende des Abends noch einmal geben.
Robert Oberaigner (Klarinette) und Henning Stangl (Kontrabaß) spielten nach der Pause zunächst ein Duetto, wiewohl von Nikolaus Branny am Klavier begleitet – warum also kein Terzett? Weil Giovanni Bottesini die beiden Solisten geradezu opernhaft in den Mittelpunkt gestellt hatte. Robert Oberaigners Legato konnten wir schon oft bewundern, doch wie sich die beiden Instrumente gleichwertig in feinsten und leisesten Lagen umgarnten, war noch einmal eine krönende Besonderheit!
In solcher Extraklasse und Extravaganz ging der Abend zu Ende. Reinhold Glières Streichoktett Opus 5 ist, nicht nur im Vergleich zu Mendelssohns Oktett, weniger als Doppelquartett aufzufassen. Fast schon sinfonisch erwachte das Werk in den dunklen Violoncelli (Titus Maack und Catarina Koppitz), versponnen Yuki Manuela Janke, Lukas Stepp, Michael Schmid und Elea Nick (Violinen) sowie Holger Grohs und Marie-Annick Caron (Viola) serenadenartig Blumengirlanden im Klang – gerade hier wirkte das Miteinander stärker, als daß es dialogische Anteile gab. Zwar tauchten einzelne »Sänger« immer wieder hervor, doch im wesentlichen agierte das Oktett als Chor. Das Finale geriet – passend als Rausschmeißer vor dem Sommer – geradezu hymnisch.
26. Juni 2026, Wolfram Quellmalz