Oper ist Bewegung

Podium Szenenstudium mit Tanz

Ob Mozarts »Figaro«, Verdis »Ballo« oder Strauss‘ »Fledermaus« – in vielen Opern und Operetten wird getanzt. Überhaupt gehören Bewegungsabläufe zu den wesentlichen Fähigkeiten eines Sängers, wenn er nicht nur konzertant auftreten oder »an der Rampe« stehen will. Fechtkämpfe sind ebenso Handlungsrepertoire wie Ballszenen. Dabei fängt das Bewegen schon früher an, denn Körperbeherrschung braucht jeder, der einmal im Sitzen, Liegen oder auf einem Ast balancierend singen muß. Oder wenn es einen Ablauf zu gestalten gilt: »Auf Los geht’s los«, das ist einfach, aber wie überquert man die Bühne so exakt, daß man zum musikalisch richtigen Moment am Ziel ankommt und daß es ganz natürlich wirkt?

Solche Inhalte werden jungen Sängern in der Szenischen Ausbildung vermittelt. Am Freitag liefen parallel zum Sommerfest, mit dem das Semester fast abschloß, zwei Podien der anderen Art für Sängerinnen und Sängern an der Dresdner Musikhochschule.

Im ersten lud Dozentin Katja Erfurth in den Bewegungsraum im Untergeschoß ein. Fenja Anding, Ivan Babich, Johanna Bohrig, Victoria Gazda, Cora Hums, Ludwig Koch, Fabian Kolew, Lovis Kriese, Sebastian Posen, Leopold Reiche und Priya Tsivlina hatten zwei Tage zuvor in einem anderem Podium ihre sängerisch-szenische Arbeit gezeigt [NMB berichteten]. Nun ging es einmal nicht ums Singen, zumindest nicht für sie, denn Sascha Mock als Begleiter erwies sich als »Multiperformer«, der am Klavier, am Synthesizer, Schlagwerk, mit Gesang und auf dem Kamm die Szenen gestaltete – das bißchen Musik vom Band konnte da kaum zählen.

Wie man sehen konnte, zählt eben beides: Exaktheit der Abläufe wie Individualität. Denn historische Schreittänze und Walzer mußten mit je drei Paaren (bei elf Studentinnen und Studenten im rotierenden Wechsel) synchron abfolgen, zwischendurch galt es aber, individuelle Ausdrucksformen zu finden, sei es in der Darstellung von Gefühlen der Freude und der Trauer – nicht durch eine Mimik, sondern vor allem durch Bewegung einzelner Körperteile oder des ganzen Körpers.

Die Improvisationen gab danach es mit kleinen Hilfsmitteln – ein Seidenpapier ist sichtbares und widerspenstiges Objekt, das still daliegen, aber auch wegfliegen kann, sich in Bewegung setzen läßt, gleichzeitig kann es als Geräuschauslöser benutzt werden, um auf vielfältige Weise zu rascheln.

Podium Szenenstudium (Improvisation) mit Tanz an der HfM Dresden, Photo: NMB

Anders als sonst war dieses Podium einmal musikalisch weniger Konkret, denn es standen keine klassischen Opernarien oder -duette im Zentrum. Die gemeinsamen Tanz- oder Ballszenen hätten – incl. Begrüßung und Verabschiedung der Tanzpartnerin – ebenso zur Verfilmung eines historischen Klassikers gehören können. Der Walzer wiederum war kein Wiener, sondern ein volkstümlicher, moderner, »Waltzing Matilda«, den wir durch Tom Waitz, Lou Reed bis zu The Pogues.

Die Einteilung von Zeit und Bewegung (incl. Pausen bzw. Lücken und Stillstand) vermittelte abschließend noch einmal ein Time warp (Zeitsprung).

Wer mochte, konnte danach auf der Probebühne noch eine moderne Fassung von Bilderbeschreibungen erleben. Zu Zeiten Johann Wolfgang von Goethes war das Nachstellen berühmter Gemälde (»Lebende Bilder«) als abendfüllende Beschäftigung beliebt. Es geht aber auch heute noch und eine Nummer kleiner, also ohne Kostüme: Bildbeschreibungen mit Menschenkonstellationen. Dabei wurden nicht nur Familienszenen nachgestellt, wie Emotionen und Intentionen interpretiert. Hunde, die aus das Auspusten von Löwenzahnsamen warten, die Konkurrenz unter Geschwistern oder auch frühe Begegnungen mit der in Berlin lebenden Sopranistin Victoria Randem (Lindenoper).

11. Juli 2026, Wolfram Quellmalz

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