Komponist Lothar Voigtländer verstorben
In Dresden erfuhr Lothar Voigtländer im Kreuzchor unter Rudolf Mauersberger eine erste Prägung. Als Chorpräfekt übernahm er Aufgaben des Musizierens und Dirigierens, hier entstanden auch erste eigene Kompositionen. Nach einem Dirigierstudium in Leipzig wurde er Chordirektor und Kapellmeister am Theater der Altmark in Stendal. Das Komponieren blieb ihm ein Anliegen, von 1970 bis 1972 war er Meisterschüler an der Akademie der Künste der DDR bei Günter Kochan.

In den 1970er Jahren arbeitete Voigtländer freischaffend in Berlin, gründete verschiedene Kammermusik- und Konzertreihen, die zu avancierten Impulsgebern wurde. Gemeinsam mit Georg Katzer gründete er 1984 die Gesellschaft für elektroakustische Musik. Dem Genre wandte sich Lothar Voigtländer verstärkt zu, unter anderem mit Studien elektro-akustischer Musik in Bratislava und Budapest. Jetzt wurde der Komponist aber auch im westlichen Europa wahrgenommen (Bourges, Zürich, Basel, Hilversum, Freiburg sowie an der Akademie der Künste in Berlin) und erhielt 1992 eine Gastprofessur an der Universität von Paris.
Wahrnehmbar wurde Lothar Voigtländer auch als Vorsitzender des Komponistenverbandes Berlin (1990 bis 1996) und vielen anderen Positionen. An der Dresdner Musikhochschule übernahm er eine Honorarprofessur für Komposition und war Leiter des Studios für Elektronische Musik Dresden.
Voigtländer hinterläßt ein umfangreiches Œuvre von Chorwerken über Orchestermusiken bis zu Sinfonien. Die Dritte war eine Auftragskomposition von Radio Bremen und galt 1990 als ein wichtiges »Statement der Moderne aus dem Osten«. Andere Werke, wie die »Harfensinfonie«, ein Auftrag des heutigen Konzerthausorchesters für deren damalige Solo-Harfenistin Katharina Hanstedt geschrieben, mußte über 35 Jahre auf seine Realisierung warten.
In Dresden erklangen gerade in den letzten Jahren immer wieder Werke von Lothar Voigtländer. Kreuzkantor Martin Lehmann stellte den ehemaligen Kruzianer in einer Vesper einem neuen Introitus von Agnes Ponizil gegenüber. Ekkehard Klemm, der für diesen Text viele wertvolle Informationen geliefert hat, berücksichtige Voigtländers Werk mit verschiedenen Ensembles in einer Weise, die man als vorbildliche Würdigung und Werkpflege bezeichnen kann – die Harfensinfonie erklang mit der Elbland Philharmonie Sachsen im Rahmen der Dresdner Tage der zeitgenössischen Musik, Chorwerke erklangen in a-cappella-Konzerten der Singakademie, die Orchestermusik III wurde mit der Sinfonietta Dresden in Dresden und Weimar ur- und wieder aufgeführt. Nur ein paar Beispiele, zu denen auch die zweite Sinfonie im Rahmen der Philharmonischen Konzerte mit der Elbland Philharmonie Sachsen ebenso zählt.
Neben den genannten Werken gibt es zahlreiche weitere, die noch zu entdecken bleiben. »Voigtländer liebte die grellen Farben ebenso wie die pastellenen Töne. Dunkle schwarze Löcher wechseln sich ab mit aufflammenden Eruptionen«, wie Ekkehard Klemm schreibt. Nicht zuletzt war er für viele junge Komponisten Impulsgeber. Seine Neugier blieb, wie der Rezensent aus eigenem Erleben bestätigen kann, stets wach – mögen seien Werke auch künftig die Wachheit und Neugier des Publikums erfahren!
10. Juli 2026, Wolfram Quellmalz