300 Jahre Forchheimer Kirche
Wer den Namen George Bähr hört, denkt vermutlich zuerst an die Dresdner Frauenkirche, seinem sicher bedeutendsten Werk. Doch der Baumeister ist für weit mehr verantwortlich. Zu den von ihm verantworteten Kirchen gehören unter anderem jene in Schmiedeberg und Hohnstein. Interessant ist es immer, frühe Spielarten oder Handschriften zu finden, die Bähr in der Frauenkirche zur Meisterschaft führte. Im Erzgebirgischen Forchheim steht ebenfalls eine George-Bähr-Kirche, die der Dresdner Frauenkirche unmittelbar vorausging. Und noch ein weiterer berühmter Name taucht hier auf: Gottfried Silbermann – haben die beiden im Erzgebirge gemeinsam für Dresden geprobt? Zumindest ist die Orgel nicht wie sonst meist auf der Westempore (also im Kirchenschiff hinten), sondern vorn über dem Altar installiert wie in Dresden.

Die Forchheimer Kirche feiert in diesem Jahr das 300 Kirchweihjubiläum. Nach einem Festwochenende im April stehen die Konzerte ganz besonders im Zeichen der doppelten 300, denn Kirche und Orgel verdienen gleichermaßen Beachtung. Am Sonntag waren im Rahmen der Forchheimer Konzerte 2026 Moritz Görg und Michael Riedel zu einem Festkonzert gekommen – wieder eingeladen darf man sagen, denn das Duo, das den historischen Klang besonders pflegt, war schon zum dritten Mal hier.
Die festlichen Klänge kamen diesmal zunächst überwiegend aus Italien, unter anderem, weil Moritz Görg und Michael Riedel dort, im frühen 17. Jahrhundert in Rom, eine Quelle für ein erstes Konzert mit Orgel und Trompete gefunden hatten. Den »Verursacher« Girolamo Fantini, ein Trompeter und Komponist, hatten die beiden mitgebracht und spielten eine Sonata detta del Nero – eine von acht Sonaten, in denen Fantini den Charakter von Musikerkollegen dargestellt hatte.

Michael Riedel »schlug« (wie man historisch sagt) versiert die Orgel, ließ sie strahlend und festlich klingen, fügte den Melodien Girlanden der Verzierung an und grundierte manches Stück mit einem bodenständigen Baß. Immer wieder nutzte er eine der auffälligsten Merkmale Silbermann‘scher Orgeln: ihren Klang, der auch bei kleineren Instrumenten durchdringend zu werden vermag. In einer Pasticcio-Sonate (die Sätze hatten die beiden Musiker selbst zusammengestellt) Domenico Gabriellis hob Michael Riedel eine virtuos-sportliche Ausdrucksweise hervor, später bei Jeremiah Clarkes »Trumpet tune« zog er zarte Flötenregister, die es bei Silbermann ebenso gibt.

Im Gegensatz zur originalen Orgel spielte Moritz Görg auf Nachbauten bzw. Rekonstruktionen, denn Blasinstrumente werden durch warme Atemluft und das sich bildende Kondenswasser in der Regel so beansprucht, daß sie selbst bei bester Pflege nicht – wie Violinen – über Jahrhunderte spielfähig bleiben. Neben der Barocktrompete hatte er ein Corno da tirarsi mitgebracht, also ein Horn mit einem Zug, ähnlich einer Posaune. Johann Sebastian Bach soll so ein Instrument eingesetzt haben, das nicht nur die Naturtöne, sondern die ganze Tonleiter mit allen Halb- und Ganztonschritten (»chromatisch«) zu spielen erlaubt, also zum Beispiel für eine Choralmelodie.

Das boten die beiden Musiker sogleich in einem Bach-Block nach »den Italienern«, in dem zuerst die im letzten Jahr gerade Johann Sebastian Bach neu zugeordnete Chaconne in d (BWV 1178, Forchheimer Erstaufführung) erklang, bevor das Corno da tirarsi »Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr« (BWV 711), »Was Gott tut, das ist wohlgetan« (BWV 1116) sowie »Erbarm‘ dich mein, o Herre Gott« (BWV 721) intonieren durfte. Der Zug erlaubt es, Tonübergänge zu verschleifen, was freilich gewöhnungsbedürftig ist.
Jeremiah Clarke war einmal nicht nur Zugabe, sondern ließ außer dem Prince of Denmark’s March alle Sätze seines Tunes festlich erschallen – mehr Festtagskonzert ging kaum!
13. Juli 2026, Wolfram Quellmalz
Forchheim feiert weiter. Neben einem Chorprojekt ab August (Aufführungen im September / Pockau und November / Lippersdorf) steht am 21. August eine Orgelnacht mit dem Dresdner Frauenkirchenkantor Matthias Grünert auf dem Programm. Er spielt mit einer Pause bei Sonnenuntergang ab 19:30 Uhr bis voraussichtlich 22:00 Uhr.