Abschluß der Vesperreihe

Tilia Ensemble Dresden beim Loschwitzer Musiksommer

Seit Mai haben alle zwei Wochen Vespern und Konzerte an den Freitagabenden die Wochenenden in der Loschwitzer Kirche eingeleitet. In der vergangenen Woche fand die Reihe ihren Abschluß, was aber nicht das Ende der Kirchenmusik in Loschwitz bedeutete – gleich am Sonntag stand bereits wieder ein Orgelkonzert auf dem Programm.

Das Tilia Ensemble Dresden war schon mehrfach in Loschwitz zu Gast und hatte für den letzten Freitag ein überraschend umfangreiches und weitverzweigtes Programm geistlicher Musik zusammengestellt. Nach dem Vesperauftakt mit Begrüßungsliturgie und einem Magnificat, das Marias Lobgesang beschreibt, folgte mit Heinrich Schütz‘ »Zu Lob und Ehr« (SWV 252) aus dem Becker-Psalter gleich noch eine Psalmvertonung. Das Tilia Ensemble brachte die hier noch schlichte Mehrstimmigkeit ausgewogen zur Geltung. Mit Johann Hermann Scheins »Was betrübst du dich, meine Seele« aus dem Israelsbrünnlein wandelte sich dies bereits stark, denn in den knappen Zeilen wird zunächst die Frage vorgetragen, bevor die Antwort bzw. eine Stärkung der Zuversicht des Gläubigen einsetzt: Das dunkle »Was« erfährt durch den Verlauf der Melodie eine Aufhellung, mit »Harre auf Gott« eine zusätzliche Bekräftigung, und erreicht schließlich (»danken«) eine innere Ruhe.

Von solchen dramaturgischen Kniffen war Carl Loewe weit entfernt. Sein »Schaffe in mir, Gott« (ein weiterer Psalmtext) offenbarte statt dessen eine romantische Auslegung bzw. Emotionalität, die ebenso zur Zuversicht fand. Die Schlußzeile »mit freudigem Geist rüste mich aus!« verdeutlichte den Nachdruck der Aussage.

Heinrich Schütz (Portrait von Christian Romstete, 1672), Johannes Eccard und Johann Hermann Schein in zeitgenössischen Darstellungen, Bildquellen: Wikimeia commons

Das Tilia Ensemble bewahrte aber auch in fremden Sprachen seine Sicherheit, egal ob auf englisch (Ēriks Ešenvalds‘ »This is my fathers world«) oder später Wilhelm Peterson-Bergers »Himlars rymd sin konung ärar« schwedisch. Das letztere konnte seine Gattungszugehörigkeit, eine Hymne (Gott zu preisen), nicht verbergen.

Pfarrer Christian Lehnert hatte die Liturgie übernommen und setzte in den Lesungen mehrfach Johannes ins Bild. Ein Anlaß, um auf die großartige Correggio-Ausstellung hinzuweisen, die seit einigen Tagen in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im Zwinger zu sehen ist. Unter den gezeigten Gemälden befinden sich einige Altarbilder mit Heiligendarstellungen.

In der Vesper hatte Max Bruch (»Herr, schicke was du willt«) die romantische Chorliteratur fortgesetzt, während »Nun lob meine Seel« an den Komponisten Johannes Eccard erinnerte und daran, daß dieser nicht nur in der Advents- und Weihnachtszeit zu singen ist (»Übers Gebirg Maria ging« und »Nun komm, der Heiden Heiland« gehören zu seinen bekanntesten Liedern).

Nachdem Johan August Södermans »O Jesu Christe« aus weiter tonaler Höhe auf die Gemeinde herabzukommen schien, brachte Heinrich Schütz noch einmal eine funkelnde Polyphonie (»Unser keiner lebet ihm selber«) in die Loschwitzer Kirche.

26. September 2026, Wolfram Quellmalz

Nächste Konzerte des Tilia Ensemble Dresden: 15. Januar (Kirche Maria am Wasser, Dresden-Hosterwitz) und 16. Januar (Kirche Briesnitz)

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