In Bachs und Beethovens Spuren

Konzertreihe »Altes und Neues Testament« mit kleinem Jubiläum

Vor zwei Jahren rief Robin Gaede, Kantor am Kirchspiel Dresden-Süd, die Kammermusikreihe »Altes und Neues Testament« im Gemeindehaus Strehlen ins Leben. Trotz des Bezugs zu Bach (Altes Testament) und Beethoven (Neues) mußte sich die Reihe zunächst etablieren. Das scheint geglückt zu sein, wenn man die stetig wachsende Hörergemeinde über die Zeit betrachtet, die – mit Ausnahme des Juni – an jedem letzten Dienstag im Monat nach Strehlen kommt.

Oft sind dann mitwirkende Gäste dabei, manchmal jedoch, wie in dieser Woche, spielt Robin Gaede Klavier solo. In der zwanzigsten Ausgabe hieß es – weil Bach und Beethoven zuletzt nicht im Zentrum gestanden hatten – »Zurück auf den Spuren«. Zudem war der erste Programmteil auf eine Tonart eingestellt: G-Dur.

Robin Gaede im Strehlener Gemeindesaal, Photo: NMB

Maurice Ravels Pavane pour une infante défunte ist glücklicherweise nicht aus traurigem Anlaß entstanden und der Titel (deutsch: Pavane für eine entschlafene Infantin) nicht wörtlich zu nehmen. Auch innerlich ist das Werk nicht belastet, sondern zeigt den Komponisten vielmehr als versierten, impressionistischen Maler. Robin Gaede fand dafür auf dem bereits etwas betagten Flügel, dessen Farben ein wenig schwerblütige klingen, zu einem leichtem, luziden Ausdruck. Trotzdem überwogen die Farben nicht, denn der Rhythmus sorgte für stetige, fast laszive Bewegung. Auch gab es mit der Rückkehr zum Thema keine Wiederholung, vielmehr schien Ravel auf einer höheren, lichteren Ebene anzukommen.

Dennoch endete das Stück mit einem sehr bestimmten Akkord, der überraschend direkt in Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge G-Dur überging. In der Leichtigkeit schloß Bach durchaus an, betrat mit seinen schnellen Figuren aber eine andere Welt. Beide Teile des BWV 884 sind verhältnismäßig knapp, die Fuge gewann gegenüber dem leichten Präludium durch betonte, bei Robin Gaede getupfte Einzeltöne (vor allem Baß) an Struktur, ohne »schwer« zu werden.

Noch einmal »sprang« die Musik in der Zeit, denn auch Ludwig van Beethovens Klaviersonate Nr. 25 (Opus 79) schloß er direkt an das vorhergehende Stück, wieder sorgte G-Dur für eine belastbare Brücke. Und wie zuvor blieb eine bewegliche, leichte Schnelligkeit, denn Beethovens Presto alla tedesca lebte zwar spürbar von einem inneren Antrieb und Vorwärtsdrang, behielt aber trotz erhöhten Tempos die Luftigkeit.

Bei allen Gemeinsamkeiten erschlossen sich in den Werken und Epochen ganz unterschiedliche »Bilder«. Beethoven gab sich im Andante, einer Träumerei, deutlich als Wegbereiter der Romantik zu erkennen. Und nahm dennoch Rückgriff bzw. erinnerte sich an seine Ursprünge, denn das Vivace ist ganz der Wiener Klassik verhaftet und erinnerte in manchem, wie dem flinken Witz, an Joseph Haydn.

Darüber, aber auch über anderes, konnten sich die Zuhörer in der Pause austauschen – die kurze Begegnung gehört in Strehlen stets dazu. Den Wechsel zu e-Moll im Anschluß wollte Robin Gaede nicht musikalisch herleiten. Die »Brücke« war diesmal ein Gedicht von Heinrich Heine (»Ein Fichtenbaum steht einsam«).

Eine bevorstehende Reise des Kantors nach Norwegen mag Anlaß genug sein, sich einer der Klaviersonaten Edvard Griegs zuzuwenden. Sein Opus 7 ist mit vier Sätzen groß gewachsen und bindet volkstümliche Musik wie Lieder ein. Doch Robin Gaede verlieh ihm außerdem stürmendes Temperament ein gewichtiges Baßfundament. Das Andante molto sorgte perlend für eine große Ruhe ohne Einsamkeit – ein wenig, wie eine norwegische Landschaft? Nach solch kurzem Verweilen brach Grieg schnell, heiter und dynamisch in harmonisch dichte Gefilde auf. In der Zugabe kam Robin Gaede mit einer Bagatelle von Ludwig van Beethoven noch einmal auf G-Dur zurück.

30. September 2026, Wolfram Quellmalz

Die nächsten Abende von »Altes und Neues Testament« bis zum Jahresende werden von Sängern mitgestaltet. Am 11. Oktober steht außerdem ein Orgelkonzert (Christuskirche Strehlen) mit Filmmusik auf dem Programm.

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